Eiweiß-Diät: Plan, Lebensmittel & was Studien zeigen

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Prinzip
Mehr Eiweiß bei weniger Kalorien – meist 25–35 % der Energie aus Protein, oft mit weniger Kohlenhydraten
Kohlenhydrate pro Tag
nicht festgelegt, meist moderat reduziert
Dauer
Wochen bis Monate, als Ernährungsstil auch länger
Schwangerschaft/Stillzeit
nicht geeignet / nicht geeignet
Kategorie
Low Carb & Keto
Einschätzung
3,6 von 5

Eine Eiweiß-Diät (Proteindiät) setzt auf mehr Protein bei weniger Kalorien: viel Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte oder Hülsenfrüchte, dafür weniger Zucker und Weißmehl. Das hilft beim Abnehmen etwas und schützt die Muskeln. Nach einem Jahr ist der Vorteil gegenüber anderen Diäten aber nicht mehr gesichert.

Was ist die Eiweiß-Diät?

„Eiweiß-Diät“ ist kein geschützter Begriff, sondern ein Sammelname für kalorienreduzierte Ernährungsformen mit überdurchschnittlich viel Protein. In Studien gilt eine Ernährung als eiweißreich, wenn mindestens 25 Prozent der Energie aus Protein stammen (Schwingshackl und Hoffmann 2013). Andere Arbeiten setzen die Grenze bei 1,5 g pro Kilogramm Körpergewicht oder 100 g am Tag (Devries et al. 2018).

Zum Vergleich: Die DGE empfiehlt Erwachsenen unter 65 Jahren 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht, ab 65 Jahren 1,0 g. Die EFSA setzt den Referenzwert bei 0,83 g fest und hält für Erwachsene das Doppelte für sicher.

Es gibt viele Varianten: von einer ausgewogenen Mischkost mit mehr Eiweiß bis zur sehr strengen Dukan-Diät. Oft sind Eiweiß-Diäten zugleich kohlenhydratarm und ähneln dann der Low-Carb-Diät. Eiweißshakes als Mahlzeitenersatz gehören eher zur Formula-Diät.

So funktioniert die Eiweiß-Diät: wie viel Eiweiß am Tag?

Abgenommen wird – wie bei jeder Diät – über ein Kaloriendefizit. Eiweiß soll dabei auf drei Wegen helfen:

  1. Sättigung: In einer Meta-Analyse (Wycherley et al. 2012) sättigte eiweißreiche Kost in drei von fünf Studien, die das gemessen hatten, stärker.
  2. Muskelschutz: Mit mehr Eiweiß verloren die Teilnehmenden 0,43 kg weniger fettfreie Masse.
  3. Energieverbrauch: Der Ruheumsatz sank weniger stark, im Schnitt um rund 600 Kilojoule pro Tag (etwa 140 Kilokalorien).

So gehst du praktisch vor:

Was darf man bei der Eiweiß-Diät essen?

Verboten ist nichts. Der Teller verschiebt sich aber Richtung Eiweiß und Gemüse. Die Topliste der eiweißreichsten Lebensmittel hilft bei der Auswahl, eine Übersicht bietet der Eiweiß-Bereich.

Gut geeignet:

Reduzieren:

Pflanzliche Eiweißquellen

Pflanzliches Eiweiß hat laut DGE oft nicht das volle Spektrum unentbehrlicher Aminosäuren. Kombiniere deshalb Hülsenfrüchte mit Getreide, etwa Linsen mit Reis. Ideen liefern die vegetarischen Eiweißquellen.

Beispieltag mit Kohlenhydraten: Eiweiß-Diät-Plan mit rund 120 g Protein

Die Werte stammen aus unserer Nährwertdatenbank (pro 100 g, auf die Portion umgerechnet). Passe die Mengen an deinen Energiebedarf an.

Mahlzeit Lebensmittel Kohlenhydrate
Frühstück 150 g Skyr, 40 g Haferflocken, 100 g Himbeeren 31,3 g
Mittagessen 120 g Putenbrust, 150 g Quinoa, 150 g Paprika, 10 g Olivenöl 34,7 g
Snack 150 g Hüttenkäse, 150 g Apfel 23,0 g
Abendessen 150 g Linsen, 100 g Tofu, 200 g Spinat, 10 g Olivenöl 25,1 g
Summe rund 114 g

Der Tag liefert etwa 1.430 Kilokalorien, 123 g Eiweiß (rund 34 Prozent der Energie) und 36 g Ballaststoffe. Bei 80 kg Körpergewicht sind das gut 1,5 g Eiweiß pro Kilogramm – unter dem Doppelten der Empfehlung, das die EFSA für Gesunde als sicher ansieht. Wie viele Kohlenhydrate zu dir passen, zeigt der Kohlenhydrate-pro-Tag-Rechner.

Was sagt die Studienlage zur Eiweiß-Diät?

Eiweißreiche Diäten sind gut untersucht. Die Effekte sind klein und nehmen mit der Zeit ab.

Nieren: Bei Gesunden fand eine Meta-Analyse von 28 Studien mit 1.358 Erwachsenen keine Verschlechterung der Nierenfunktion durch mehr Eiweiß (Devries et al. 2018). Für Menschen mit Nierenerkrankung gilt das nicht.

Vor- und Nachteile der Eiweiß-Diät

Vorteile:

Nachteile:

Für wen eignet sich die Eiweiß-Diät?

Eine moderat eiweißreiche Ernährung passt für gesunde Erwachsene, die abnehmen und dabei möglichst wenig Muskeln verlieren wollen. Entscheidend bleibt, dass du das Kaloriendefizit dauerhaft halten kannst.

Nicht geeignet oder nur nach Rücksprache:

Wenn du Medikamente nimmst oder eine Erkrankung hast, sprich die Umstellung vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab. Weitere Ansätze findest du in der Übersicht aller Diäten.

Vorsicht bei Medikamenten und Erkrankungen

Nimmst du Medikamente oder hast eine Erkrankung, sprich die Umstellung vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Die DGE nennt Hinweise, dass Eiweiß über dem Bedarf in der Schwangerschaft das Übergewichtsrisiko des Kindes erhöhen kann. Auch in der Stillzeit ist eine eiweißbetonte Abnehmdiät nicht sinnvoll: Iss dann ausgewogen ohne Kalorienreduktion. Bei Kinderwunsch sprich eine Abnehmdiät ärztlich ab und achte auf Folsäure aus Gemüse und Vollkorn plus Präparat. Quelle

Mehr dazu: Nahrungsergänzung in Schwangerschaft und Stillzeit.

Eiweiß-Diät im Vergleich

DiätPrinzipKohlenhydrate pro TagEinschätzung
Eiweiß-DiätMehr Eiweiß bei weniger Kalorien – meist 25–35 % der Energie aus Protein, oft mit weniger Kohlenhydratennicht festgelegt, meist moderat reduziert3,6 von 5
Low-Carb-DiätWeniger Kohlenhydrate, dafür mehr Eiweiß, Fett und Gemüse – ohne Ketoseetwa 50–130 g pro Tag, je nach Variante3,6 von 5
Formula-DiätEine bis alle Mahlzeiten werden durch nährstoffdefinierte Shakes oder Suppen ersetztje nach Plan; Tagesration mindestens 30 g3,4 von 5
Keto-DiätSehr wenig Kohlenhydrate, viel Fett – der Körper bildet Ketone als Ersatzbrennstoff20–50 g pro Tag (ohne Ballaststoffe)2,4 von 5

Alle Diäten mit Bewertung: Diäten im Überblick.

Fachliche Einschätzung: Eiweiß-Diät

KriteriumBewertung
Abnehmerfolg 3 von 5
Alltagstauglichkeit 4 von 5
Nährstoffversorgung 4 von 5
Studienlage 4 von 5
Langfristig durchhaltbar 3 von 5
Gesamt3,6 von 5

Zu eiweißreichen Diäten gibt es viele randomisierte Studien und mehrere Meta-Analysen. In den ersten Monaten nimmt man etwas mehr ab und verliert weniger Muskelmasse, nach einem Jahr ist der Vorteil aber nicht mehr gesichert. Stärke ist die flexible, sättigende Umsetzung; Schwäche sind Risiken bei Nierenerkrankungen und Nierensteinen.

Einschätzung der Redaktion auf Grundlage der genannten Studien und Leitlinien (1 = schwach, 5 = sehr gut). Gleiche Kriterien für alle Diäten: so bewerten wir.

Was Fachleute in TV-Beiträgen sagen

Aussagen sinngemäß aus den Untertiteln der Beiträge zusammengefasst. Ergebnisse einzelner Testpersonen sind nicht übertragbar.

Zum Weiterlesen: Buchtipps

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Erfahrungen mit der Eiweiß-Diät

Noch keine Erfahrungsberichte. Hast du Erfahrung mit der Eiweiß-Diät? Erzähl, was funktioniert hat und was nicht – das hilft anderen bei der Entscheidung.

Erfahrungsberichte sind persönliche Eindrücke einzelner Menschen, keine Studienergebnisse und keine Empfehlung. Wir lesen jeden Bericht vor der Veröffentlichung, können aber nicht überprüfen, ob die Person die Diät tatsächlich gemacht hat. Berichte werden weder bezahlt noch nach Ergebnis ausgewählt.

Häufige Fragen

Wie viel Eiweiß am Tag zum Abnehmen?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Die DGE empfiehlt Erwachsenen unter 65 Jahren 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht. Eiweißreiche Diäten in Studien lagen meist bei 25 bis 32 Prozent der Energie; laut EFSA gilt für Gesunde das Doppelte der Empfehlung als sicher.

Was darf man bei der Eiweiß-Diät essen?

Grundsätzlich alles, aber mit Schwerpunkt auf Eiweiß: Hähnchen, Pute, Fisch, Eier, Magerquark, Skyr, Hüttenkäse, Tofu und Hülsenfrüchte. Dazu viel Gemüse; Zucker und Weißmehl werden reduziert.

Wie viel kann man mit einer Eiweiß-Diät abnehmen?

Das hängt vor allem vom Kaloriendefizit ab. Im Vergleich zu normaler Eiweißzufuhr nahmen Teilnehmende in einer Meta-Analyse nach rund zwölf Wochen im Schnitt 0,79 kg mehr ab, nach mindestens einem Jahr war kein Unterschied mehr gesichert.

Ist eine Eiweiß-Diät gefährlich?

Für gesunde Erwachsene mit maßvoller Eiweißmenge eher nicht: Eine Meta-Analyse fand bei Gesunden keine Verschlechterung der Nierenfunktion. Bei Nierenerkrankung, Nierensteinen oder in der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten.

Was sind Erfahrungen mit der Eiweiß-Diät?

Viele berichten, dass sie weniger Hunger haben. In Studien sättigte eiweißreiche Kost in drei von fünf Untersuchungen stärker; Magen-Darm-Beschwerden waren etwas häufiger.

Muss man bei einer Eiweiß-Diät viel trinken?

Ja, die DGE rät bei hoher Eiweißzufuhr zu ausreichend Flüssigkeit, weil die Nieren mehr Harnstoff ausscheiden müssen.

Quellen

  1. Wycherley TP et al. (2012): Effects of energy-restricted high-protein, low-fat compared with standard-protein, low-fat diets: a meta-analysis of randomized controlled trials. American Journal of Clinical Nutrition 96(6):1281–1298, doi:10.3945/ajcn.112.044321
  2. Santesso N et al. (2012): Effects of higher- versus lower-protein diets on health outcomes: a systematic review and meta-analysis. European Journal of Clinical Nutrition 66(7):780–788, doi:10.1038/ejcn.2012.37
  3. Schwingshackl L, Hoffmann G (2013): Long-term effects of low-fat diets either low or high in protein on cardiovascular and metabolic risk factors: a systematic review and meta-analysis. Nutrition Journal 12:48, doi:10.1186/1475-2891-12-48
  4. Devries MC et al. (2018): Changes in Kidney Function Do Not Differ between Healthy Adults Consuming Higher- Compared with Lower- or Normal-Protein Diets: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Nutrition 148(11):1760–1775, doi:10.1093/jn/nxy197
  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2021): Ausgewählte Fragen und Antworten zu Protein und unentbehrlichen Aminosäuren (FAQ)
  6. Europäische Kommission, Knowledge for Policy: Dietary protein intake – adults (zur EFSA Scientific Opinion on Dietary Reference Values for protein, EFSA Journal 2012;10(2):2557)
  7. Evert AB et al. / American Diabetes Association (2019): Nutrition Therapy for Adults With Diabetes or Prediabetes: A Consensus Report. Diabetes Care 42(5):731
  8. Nouvenne A et al. (2014): Fad diets and their effect on urinary stone formation. Translational Andrology and Urology 3(3):303–312, doi:10.3978/j.issn.2223-4683.2014.06.01

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Ob dein Gewicht im Normalbereich liegt, zeigt der BMI-Rechner; wie viel Energie du brauchst, der Rechner für Kohlenhydrate pro Tag.

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