Erythrit und Xylit sind Zuckeralkohole (Polyole), Stevia, Sucralose oder Aspartam dagegen Süßstoffe. Erythrit gilt laut EU-Kennzeichnung als kalorienfrei, Xylit liefert etwa 60 % der Kalorien von Zucker. Alle zugelassenen Süßungsmittel wurden geprüft. Bei Polyolen gibt es aber zwei echte Haken: die abführende Wirkung und, im Fall von Xylit, die Giftigkeit für Hunde.
Polyole und Süßstoffe: der Unterschied
Die Verbraucherzentrale unterscheidet zwei Gruppen von Süßungsmitteln:
- Zuckeraustauschstoffe (Polyole): Sorbit (E 420), Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Maltit (E 965), Lactit (E 966), Xylit (E 967), Erythrit (E 968) und Polyglycitolsirup (E 964). Sie werden wie Zucker in größeren Mengen eingesetzt und geben Volumen.
- Süßstoffe: zum Beispiel Acesulfam K (E 950), Aspartam (E 951), Cyclamat (E 952), Saccharin (E 954), Sucralose (E 955) und Steviolglycoside (E 960a). Sie süßen schon in winzigen Mengen und liefern kaum oder keine Kalorien.
Beide Gruppen sind Lebensmittelzusatzstoffe. Sie dürfen nur verwendet werden, wenn sie gesundheitlich als unbedenklich bewertet wurden.
Kalorien laut EU-Kennzeichnung
Für die Nährwerttabelle schreibt die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV, Anhang XIV) feste Umrechnungsfaktoren vor:
| Stoff | Energie pro Gramm |
|---|---|
| Kohlenhydrate (z. B. Zucker) | 4 kcal |
| Mehrwertige Alkohole (Polyole) | 2,4 kcal |
| Erythrit | 0 kcal |
Xylit, Sorbit oder Maltit werden also mit 2,4 kcal pro Gramm berechnet, Erythrit mit 0 kcal. Auf dem Etikett zählen Polyole zu den Kohlenhydraten. Wer Kohlenhydrate zählt, sollte daher prüfen, ob in der Angabe Polyole enthalten sind. Die Seiten zu Erythrit und Xylit zeigen die Nährwerte im Detail.
Abführende Wirkung und Pflichthinweis
Zuckeralkohole können in größeren Mengen abführend wirken. Deshalb gilt laut Verbraucherzentrale: Macht ein Zuckeralkohol mehr als 10 % eines Produkts aus, muss auf der Packung stehen: „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“ Wie viel du verträgst, ist individuell verschieden. Bei Durchfall solltest du solche Produkte meiden, mehr dazu in Was essen bei Durchfall?.
Auch Erythrit ist davon nicht ausgenommen. Die EFSA hat bei ihrer Neubewertung 2023 einen Antrag abgelehnt, Erythrit von diesem Warnhinweis zu befreien. Die Daten reichten dafür nicht aus.
EFSA-Neubewertungen: Wo steht welcher Stoff?
Die EFSA bewertet die zugelassenen Süßungsmittel derzeit neu. Laut EFSA-Übersicht sind die Neubewertungen von Aspartam (2013), Erythrit (2023), Saccharin (2024), Acesulfam K (2025) und Sucralose (2026) abgeschlossen. Für Xylit, Sorbit, Mannit, Isomalt, Maltit, Lactit und Cyclamat laufen sie noch.
Für Erythrit hat die EFSA 2023 eine erlaubte Tagesdosis (ADI) festgelegt: 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für einen 70 Kilogramm schweren Erwachsenen wären das 35 Gramm. Der Wert leitet sich aus der Menge ab, ab der Durchfall auftrat. Die geschätzte Aufnahme lag in Teilen der Bevölkerung über dem ADI, am höchsten bei Kindern. Die EFSA hält ihre Schätzungen zwar für zu hoch, warnt aber: Wer viel Erythrit aufnimmt, kann Nebenwirkungen bekommen.
Erythrit, Xylit und das Herz
2023 und 2024 fand eine Forschungsgruppe der Cleveland Clinic bei Herz-Risikopatienten mit hohen Erythrit- bzw. Xylit-Werten im Blut mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle. Das sind Beobachtungsdaten: Sie zeigen einen Zusammenhang, keine Ursache, und der Körper bildet beide Stoffe auch selbst. Die EFSA sah 2023 für Erythrit keinen bestätigten ursächlichen Zusammenhang. Details und Einordnung stehen auf den Seiten zu Erythrit und Xylit. Wenn du eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes hast, besprich größere Mengen Süßungsmittel am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Xylit: giftig für Hunde
Für Menschen ist Xylit zugelassen, für Hunde ist es laut US-Lebensmittelbehörde FDA schon in kleinen Mengen gefährlich: Der Blutzucker kann innerhalb von 10 bis 60 Minuten stark fallen. Xylit steckt in Kaugummi, Zahnpasta, Backwaren und manchem Nussmus – außer Reichweite aufbewahren und bei Verdacht sofort in die Tierarztpraxis.
Welcher Süßstoff ist unbedenklich? Die erlaubten Tagesdosen
Für jeden zugelassenen Süßstoff legen die Behörden eine erlaubte Tagesdosis (ADI) fest – die Menge, die man lebenslang täglich aufnehmen kann, ohne dass ein Gesundheitsrisiko zu erwarten ist. Die Werte stehen in den Tabellen oben: von 4 mg pro Kilogramm Körpergewicht bei Steviolglycosiden bis 40 mg bei Aspartam. Ein höherer ADI heißt nicht „gesünder“, sondern dass ein Süßstoff in größerer Menge geprüft unbedenklich ist. Wie viel davon in einem Getränk steckt, steht nicht auf der Packung – nur, dass er enthalten ist.
Besonderheiten:
- Aspartam enthält Phenylalanin und ist für Menschen mit Phenylketonurie nicht geeignet. Die IARC hat Aspartam 2023 als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft, das JECFA hat den ADI gleichzeitig bestätigt. Ausführlich: Aspartam.
- Sucralose ist hitzestabil genug für Getränke, sollte laut BfR und EFSA aber nicht über 120 °C erhitzt werden, etwa beim Backen. Ausführlich: Sucralose.
- Cyclamat hat den niedrigsten ADI der klassischen Süßstoffe neben Stevia; die Neubewertung durch die EFSA steht noch aus.
In Getränken werden meist mehrere Süßstoffe kombiniert. In unserer Datenbank ist die häufigste Mischung Acesulfam K mit Sucralose, gefolgt von Aspartam, Acesulfam K und Cyclamat in Colas. Welche Süßstoffe in welchem Getränk stecken, zeigt die Liste der Zero-Getränke; einen Vergleich der Colas bietet Cola Light vs. Cola Zero.
Was passt wofür?
Wer Kalorien sparen will, liegt laut Kennzeichnungsrecht mit Erythrit vorn. Xylit liefert immerhin 40 % weniger Energie als Zucker. Bei beiden gilt: Menge im Blick behalten. Zum Abnehmen sind Süßungsmittel allerdings kein bewährtes Mittel: Die WHO rät seit 2023 davon ab, Süßstoffe wie Aspartam, Sucralose oder Stevia zur Gewichtskontrolle einzusetzen, weil Studien keinen langfristigen Nutzen beim Körperfett zeigen (bedingte Empfehlung, nicht für Menschen mit bestehendem Diabetes). Zuckeralkohole wie Erythrit und Xylit deckt diese Empfehlung nicht ab. Tipps zum Austausch findest du unter Zucker durch Erythrit ersetzen und Zucker durch Xylit ersetzen. Wie sich Erythrit gegenüber Honig schlägt, zeigt unser Vergleich Honig vs. Erythrit.
Fazit
Erythrit ist laut EU-Kennzeichnung kalorienfrei, Xylit und andere Polyole liefern 2,4 kcal pro Gramm. Alle Polyole können in größeren Mengen abführend wirken, für Erythrit gilt seit 2023 ein ADI von 0,5 g pro Kilogramm Körpergewicht. Die Herzstudie zu Erythrit zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis; weitere Forschung ist nötig. Halte Xylit unbedingt von Hunden fern.