Stevia: gesund oder schädlich? Steviolglycoside erklärt
- Art
- Süßstoff, E 960a–d
- Herkunft
- Extrakt aus den Blättern von Stevia rebaudiana; E 960b–d fermentativ oder enzymatisch
- Süßkraft
- 200- bis 300-mal süßer als Zucker
- Kalorien
- praktisch keine
- Erlaubte Tagesdosis (ADI)
- 4 mg Steviol pro kg Körpergewicht (EFSA 2010, bestätigt 2024; JECFA 2026)
- Backen und Kochen
- bis ca. 120 °C stabil, darüber Abbau möglich
Stevia ist ein Süßstoff aus den Blättern der Pflanze Stevia rebaudiana. Zugelassen sind die gereinigten Steviolglycoside (E 960a–d): 200- bis 300-mal süßer als Zucker, praktisch kalorienfrei, mit einer erlaubten Tagesdosis von 4 mg Steviol pro Kilogramm Körpergewicht. Viele Produkte mit „Stevia“ auf der Packung bestehen überwiegend aus Erythrit.
Was ist Stevia?
Die Blätter der südamerikanischen Stevia-Pflanze enthalten süß schmeckende Glycoside, vor allem Steviosid und Rebaudiosid A. Für Lebensmittel werden sie extrahiert und gereinigt (E 960a). Seit 2023 und 2025 sind auch Steviolglycoside erlaubt, die enzymatisch, durch Fermentation mit Hefen oder durch Glucosylierung entstehen (E 960b–d). Das Blatt selbst ist in der EU nur als Zutat für Kräutertee zugelassen.
Ist Stevia gesund oder ungesund?
Stevia hat keine Kalorien und erhöht weder Blutzucker noch Insulin. In einer kleinen Studie lagen Blutzucker und Insulin nach einer Mahlzeit sogar niedriger als nach Zucker. In einer anderen Studie glichen die Teilnehmenden die eingesparten Kalorien beim nächsten Essen wieder aus. Die WHO rät deshalb seit 2023, Süßstoffe – Stevia eingeschlossen – nicht zur Gewichtskontrolle einzusetzen; Menschen mit Diabetes nimmt sie aus.
Stevia und Erythrit: die Mischung im Supermarkt
Weil Stevia so süß ist, ließe es sich pur kaum dosieren. Streusüße und „Stevia-Zucker“ in Drogerie und Supermarkt sind daher oft Mischungen mit Erythrit, die löffelweise wie Zucker verwendet werden. Für die Verträglichkeit zählt dann vor allem der Erythrit-Anteil. Wer pures Stevia sucht, greift zu Tropfen oder Tabletten.
Wie viel Stevia am Tag?
| Körpergewicht | Steviol-Äquivalente (4 mg/kg) |
|---|---|
| 20 kg (Kind) | 80 mg |
| 60 kg | 240 mg |
| 70 kg | 280 mg |
Die Angabe bezieht sich auf Steviol; Steviolglycoside bestehen nur zu etwa einem Drittel bis 40 % daraus. Wie viel ein Produkt enthält, steht nicht auf der Packung.
Getränke mit Stevia
Stevia steckt oft in zuckerreduzierten statt zuckerfreien Getränken, kombiniert mit Zucker – etwa in Eistees von Arizona und Pfanner oder in Sirupen. Der leicht lakritzartige Nachgeschmack wird so überdeckt. Welche Getränke ganz ohne Zucker auskommen, zeigt die Liste der Zero-Getränke.
Produkte mit Stevia
60 Produkte in unserer Datenbank nennen Stevia in der Zutatenliste (Herstellerangabe); hier die ersten 40, zuckerfreie Getränke zuerst. Weitere Getränke mit Süßungsmitteln stehen in der Liste der Zero-Getränke.
Studien und Bewertungen
Die wichtigsten Bewertungen von Behörden und Studien zu Stevia. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, aber keine Ursache; Labor- und Tierversuche lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen.
- EFSA-Gremium ANS (2010): Scientific Opinion on the safety of steviol glycosides for the proposed uses as a food additive. EFSA Journal 8(4): 1537. [Behördenbewertung]
Steviolglycoside sind nicht krebserregend, nicht erbgutschädigend und nicht fortpflanzungsschädigend. Erlaubte Tagesdosis 4 mg pro kg Körpergewicht, gerechnet als Steviol. - EFSA-Gremium FAF (Castle L et al.) (2024): Safety of a proposed amendment of the specifications and extension of use of steviol glycosides (E 960a–d) and revision of the ADI. EFSA Journal 22(11). [Behördenbewertung]
Eine Anhebung der Tagesdosis auf 6 oder 16 mg pro kg lehnte die EFSA ab. Kleinkinder mit hohem Verzehr könnten den Wert in einem vorsichtigen Szenario überschreiten. - Anton SD, Martin CK, Han H et al. (2010): Effects of stevia, aspartame, and sucrose on food intake, satiety, and postprandial glucose and insulin levels. Appetite. [Randomisierte Studie]
31 Erwachsene bekamen vor dem Essen Stevia, Aspartam oder Zucker. Nach Stevia waren Blutzucker und Insulin nach der Mahlzeit niedriger als nach Zucker; gegessen wurde nicht mehr. - Suez J, Cohen Y, Valdés-Mas R et al. (2022): Personalized microbiome-driven effects of non-nutritive sweeteners on human glucose tolerance. Cell 185: 3307–3328. [Randomisierte Studie]
Stevia veränderte wie die anderen getesteten Süßstoffe die Darmflora, verschlechterte die Blutzuckerreaktion aber nicht signifikant – anders als Sucralose und Saccharin. - Tey SL, Salleh NB, Henry J, Forde CG (2017): Effects of aspartame-, monk fruit-, stevia- and sucrose-sweetened beverages on postprandial glucose, insulin and energy intake. International Journal of Obesity 41: 450–457. [Randomisierte Studie]
30 Männer: Die mit Stevia eingesparten Kalorien wurden beim Essen danach vollständig ausgeglichen. Blutzucker und Insulin über drei Stunden unterschieden sich nicht von Zucker.
Häufige Fragen
Ist Stevia gesund?
Stevia liefert keine Kalorien und lässt den Blutzucker nicht steigen. Laut EFSA ist es bis 4 mg Steviol pro Kilogramm Körpergewicht am Tag sicher. Einen eigenen Gesundheitsnutzen hat Stevia nicht, und die WHO rät, Süßstoffe nicht gezielt zum Abnehmen einzusetzen.
Ist Stevia schädlich?
Bei Einhaltung der Tagesdosis nicht. Die EFSA fand 2010 keine Hinweise auf Krebs, Erbgutschäden oder Fortpflanzungsschäden und bestätigte den Wert 2024. Kleinkinder mit sehr hohem Verzehr gesüßter Produkte könnten den Wert überschreiten.
Ist Stevia krebserregend?
Nein. EFSA und das WHO-Gremium JECFA haben keine krebserregende oder erbgutschädigende Wirkung festgestellt. Ältere Bedenken bezogen sich auf das Abbauprodukt Steviol in Laborversuchen und wurden nicht bestätigt.
Was ist der Unterschied zwischen Stevia und Steviolglycosiden?
Stevia ist die Pflanze. Zugelassen als Süßstoff sind die gereinigten süßen Stoffe daraus, die Steviolglycoside (E 960). Getrocknete Stevia-Blätter sind in der EU nur als Tee-Zutat erlaubt.
Stevia oder Erythrit – was ist besser?
Stevia ist viel süßer, wird nur in Spuren gebraucht und schmeckt leicht lakritzartig-bitter. Erythrit hat Volumen wie Zucker und eignet sich besser zum Backen. Viele Produkte mit „Stevia“ im Namen bestehen deshalb überwiegend aus Erythrit.
Hat Stevia Nebenwirkungen?
In üblichen Mengen sind keine bekannt. Flüssiges Stevia und Tabletten sind meist gut verträglich; Mischungen mit Erythrit oder anderen Polyolen können in großen Mengen Blähungen und Durchfall auslösen.
Darf man mit Stevia backen?
Steviolglycoside sind bis etwa 120 °C stabil; bei höheren Temperaturen hält die EFSA einen Abbau für möglich. Weil Stevia kein Volumen liefert, braucht Backwerk zusätzlich Masse – meist Erythrit.
Weitere Süßungsmittel: Sucralose, Aspartam, Acesulfam K, Saccharin, Cyclamat, Thaumatin. Alle im Vergleich: Süßungsmittel-Übersicht.
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