Sorbit: Unverträglichkeit, Lebensmittel, Wirkung
- Art
- Zuckeraustauschstoff (Polyol), E 420
- Herkunft
- Hydrierung von Traubenzucker; natürlich in Steinobst, Birnen, Äpfeln, Avocado
- Süßkraft
- 50–70 % von Zucker
- Kalorien
- 2,4 kcal/g (laut EU-Kennzeichnungsrecht)
- Glykämischer Index
- 9
- Erlaubte Tagesdosis (ADI)
- nicht festgelegt (JECFA: „not specified“)
- Backen und Kochen
- hitzestabil
Sorbit (E 420) ist ein Zuckeraustauschstoff, der von Natur aus in Steinobst, Birnen und Äpfeln steckt. Er süßt etwa halb so stark wie Zucker, liefert 2,4 kcal pro Gramm und wirkt bei vielen Menschen schon ab 10 bis 20 g abführend. Wer Fruchtzucker schlecht verträgt, reagiert oft auch auf Sorbit.
Was ist Sorbit?
Sorbit (Sorbitol) ist ein Zuckeralkohol. Ursprünglich aus Vogelbeeren gewonnen, wird er heute durch Hydrierung von Traubenzucker hergestellt. Er süßt mild, hält Lebensmittel feucht und lässt den Blutzucker kaum steigen (glykämischer Index 9). Deshalb steckt er in zuckerfreiem Kaugummi, Bonbons, „Diabetiker“-Süßwaren, Zahnpasta und vielen Arzneimitteln.
Sorbitunverträglichkeit: Symptome und Ursache
Der Dünndarm nimmt Sorbit nur langsam und unvollständig auf. Der Rest gelangt in den Dickdarm, zieht dort Wasser an und wird von Bakterien vergoren. Folgen sind Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Wie viel jemand verträgt, ist sehr unterschiedlich; Menschen mit Reizdarm reagieren schon auf kleine Mengen. Die Monash University, die die FODMAP-Diät entwickelt hat, fand bei Reizdarm signifikant mehr Beschwerden nach 10 g Sorbit.
Diagnostiziert wird die Unverträglichkeit meist mit einem Wasserstoff-Atemtest. Danach hilft eine Phase ohne Sorbit, um die persönliche Toleranz herauszufinden. Wie das in drei Phasen abläuft und welches Obst wie viel Sorbit und Fruchtzucker enthält, steht im Ratgeber Fruktoseintoleranz & Sorbit.
Sorbit und Fructose
Sorbit verschlechtert die Aufnahme von Fruchtzucker. In einer klassischen Studie verursachten Fructose und Sorbit einzeln keine Beschwerden, das Gemisch aber schon. Obst, das viel Fructose und Sorbit zugleich enthält – Birnen, Äpfel, Pflaumen und Trockenobst –, ist bei Fructoseintoleranz deshalb besonders schwierig.
Anders die erbliche Fructoseintoleranz (HFI): Hier fehlt ein Enzym in der Leber. Weil Sorbit dort in Fructose umgewandelt wird, ist es für Betroffene gefährlich. Die Arzneimittelbehörde EMA verlangt deshalb ab 5 mg pro kg einen Warnhinweis.
Lebensmittel mit Sorbit
| Lebensmittelgruppe | Beispiele |
|---|---|
| Steinobst | Pflaumen und Zwetschgen, Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche |
| Kernobst | Birnen, Äpfel |
| Trockenobst und Säfte | Backpflaumen, Apfel- und Birnensaft |
| Gemüse | Avocado |
| Zugesetzt | zuckerfreier Kaugummi, Bonbons, Fruchtgummi, Backwaren, Zahnpasta |
Auf der Zutatenliste erkennst du Sorbit als „Sorbit“, „Sorbitol“, „Sorbitsirup“ oder „E 420“. Zahnpasta ohne Sorbit gibt es, sie ist aber nicht immer so gekennzeichnet – der Blick in die Inhaltsstoffe hilft.
Sorbit oder andere Zuckeraustauschstoffe?
Sorbit gehört mit Mannit und Maltit zu den Polyolen, die am schnellsten Beschwerden machen. Besser verträglich sind Xylit und vor allem Erythrit, das der Körper fast vollständig aufnimmt und unverändert ausscheidet.
Studien und Bewertungen
Die wichtigsten Bewertungen von Behörden und Studien zu Sorbit. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, aber keine Ursache; Labor- und Tierversuche lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen.
- Rumessen JJ, Gudmand-Høyer E (1987): Malabsorption of fructose-sorbitol mixtures. Interactions causing abdominal distress. Scandinavian Journal of Gastroenterology 22: 431–436. [Randomisierte Studie]
Zehn Gesunde bekamen Fructose, Sorbit oder beides. Einzeln gab es keine Beschwerden, das Gemisch wurde bei sieben schlecht aufgenommen, fünf hatten Bauchbeschwerden – Sorbit verstärkt die Fructosemalabsorption. - Lenhart A, Chey WD (2017): A Systematic Review of the Effects of Polyols on Gastrointestinal Health and Irritable Bowel Syndrome. Advances in Nutrition 8: 587–596. [Übersichtsarbeit]
Die Aufnahme von Polyolen sinkt mit der Dosis; Blähungen und abführende Wirkung nehmen zu, kombiniert eingenommene Polyole werden noch schlechter aufgenommen. - Mäkinen KK (2016): Gastrointestinal Disturbances Associated with the Consumption of Sugar Alcohols with Special Consideration of Xylitol. International Journal of Dentistry. [Übersichtsarbeit]
Sorbit und Mannit wirken bei manchen Menschen schon ab 10 bis 20 g am Tag abführend – schneller als Xylit oder Erythrit. - EMA (CHMP) (2017): Fructose and sorbitol used as excipients in medicinal products for human use. Europäische Arzneimittel-Agentur. [Behördenbewertung]
Ab 140 mg pro kg am Tag (10 g bei 70 kg) muss die Packungsbeilage auf die abführende Wirkung hinweisen, ab 5 mg pro kg auf die erbliche Fructoseintoleranz – Sorbit wird in der Leber zu Fructose. - JECFA (WHO/FAO) (1982): Sorbitol – Toxicological evaluation. WHO Food Additives Series. [Behördenbewertung]
Eine Höchstmenge pro Tag ist nicht nötig („ADI not specified“); die Grenze setzt die abführende Wirkung. Die EFSA-Neubewertung läuft.
Häufige Fragen
Was ist Sorbit?
Sorbit (auch Sorbitol, E 420) ist ein Zuckeralkohol, der natürlich in Steinobst, Birnen und Äpfeln vorkommt. Industriell wird er aus Traubenzucker hergestellt und in zuckerfreien Kaugummis, Bonbons, Diabetikersüßwaren und als Feuchthaltemittel verwendet.
Was sind Symptome einer Sorbitunverträglichkeit?
Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfall und ein Völlegefühl, meist eine halbe bis wenige Stunden nach dem Essen. Ursache ist, dass Sorbit im Dünndarm schlecht aufgenommen wird und im Dickdarm Wasser bindet und vergoren wird.
Wo ist Sorbit enthalten?
Natürlich in Pflaumen, Birnen, Äpfeln, Kirschen, Aprikosen, Pfirsichen, Trockenobst und Avocado sowie in Säften daraus. Zugesetzt in zuckerfreiem Kaugummi, Bonbons, Fruchtgummi, Backwaren, Zahnpasta und Medikamenten. Auf der Zutatenliste steht „Sorbit“, „Sorbitol“ oder „E 420“.
Was hat Sorbit mit Fructoseintoleranz zu tun?
Sorbit hemmt im Darm die Aufnahme von Fruchtzucker. Wer Fructose schlecht verträgt, reagiert deshalb oft auch auf Sorbit. Bei der seltenen erblichen Fructoseintoleranz ist Sorbit gefährlich, weil die Leber es in Fructose umwandelt.
Ab wie viel Sorbit bekommt man Durchfall?
Bei vielen Erwachsenen ab etwa 10 bis 20 g am Tag, bei Kindern früher. Ab 10 % Polyolen muss ein Lebensmittel den Hinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ tragen.
Ist Sorbit schädlich?
In kleinen Mengen nicht; das WHO-Gremium JECFA hält eine Höchstmenge für unnötig. Die Grenze setzt der Darm. Menschen mit Reizdarm, Fructosemalabsorption oder erblicher Fructoseintoleranz sollten Sorbit meiden.
Weitere Zuckeraustauschstoffe: Erythrit, Xylit, Isomalt, Maltit, Mannit, Lactit. Alle im Vergleich: Süßungsmittel-Übersicht.
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