Fruktoseintoleranz & Sorbit: Obst-Tabelle und Tipps

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Bei einer Fruktosemalabsorption, umgangssprachlich Fruktoseintoleranz, nimmt der Dünndarm nur begrenzte Mengen Fruchtzucker auf. Der Rest gärt im Dickdarm – typische Fructoseintoleranz Symptome sind Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Entscheidend ist weniger die Fruktose allein als das Verhältnis zur Glukose: Obst mit mehr Fruktose als Glukose ist ungünstiger. Sorbit verschlechtert die Aufnahme zusätzlich. Ein kompletter Verzicht auf Obst ist laut Deutscher Zöliakie-Gesellschaft nicht nötig.

Zwei Formen: häufig und sehr selten

Diagnose: der Atemtest

Nach dem Trinken einer Lösung mit 25 g Fruktose wird über zwei bis vier Stunden der Wasserstoff in der Atemluft gemessen. Steigt er um mehr als 20 ppm, gilt der Test als positiv. Eine Ernährungsumstellung ist laut DZG aber nur nötig, wenn auch Beschwerden auftreten. Wichtig: Vor dem Test muss eine hereditäre Fruktoseintoleranz ausgeschlossen werden, weil die Testlösung dann eine gefährliche Unterzuckerung auslösen kann. Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch über mindestens sieben Tage hilft bei der Einordnung.

Ernährung in drei Phasen

Laut DZG:

  1. Karenzphase (etwa 2 Wochen): fruktose- und sorbithaltige Lebensmittel meiden, bis die Beschwerden abklingen.
  2. Testphase (4 bis 6 Wochen): Fruktosehaltiges schrittweise steigern und protokollieren.
  3. Dauerernährung: meist reicht es, sehr fruktosereiche Lebensmittel und Sorbit zu meiden.

Hilfreich: Obst lieber in kleinen Portionen und zu einer Mahlzeit essen, zum Beispiel mit Quark oder Joghurt. Fruktose wird zusammen mit Glukose besser aufgenommen. Ein Verhältnis von Fruktose zu Glukose von etwa 1:1 gilt als günstig. Studien zur Fruktosemalabsorption nennen einen Fruktose-Überschuss von mehr als 0,5 g pro 100 g als ungünstig (Shepherd & Gibson 2006).

Obst-Tabelle: Fruktose, Glukose, Sorbit

Werte pro 100 g aus dem Bundeslebensmittelschlüssel (BLS 4.0). Fruktose-Überschuss = Fruktose minus Glukose.

Obst Fruktose Glukose Überschuss Sorbit
Apfel 5,2 g 1,1 g 4,1 g 0,6 g
Birne 5,9 g 2,7 g 3,2 g 3,1 g
Mango 3,0 g 1,0 g 2,0 g 0 g
Blaubeeren 5,8 g 3,9 g 1,9 g 0 g
Weintrauben 6,5 g 5,2 g 1,3 g 0,1 g
Erdbeeren 2,7 g 2,5 g 0,2 g 0,03 g
Orange 2,3 g 2,4 g kein –
Himbeeren 2,5 g 2,6 g kein –
Ananas 2,4 g 2,6 g kein –
Kiwi 4,4 g 4,8 g kein –
Banane 3,5 g 4,3 g kein –
Kirschen 5,8 g 7,1 g kein 1,7 g
Aprikose 0,9 g 1,9 g kein 0,8 g

Kirschen und Aprikosen haben zwar keinen Fruktose-Überschuss, aber Sorbit – bei einer Sorbitintoleranz sind sie daher ungünstig. Auch Apfelsaft (4,0 g Überschuss, 1,0 g Sorbit) und Honig (8 g Überschuss) liefern viel freie Fruktose. Alle Obstsorten sortiert zeigt die Rangliste Obst mit wenig Fruktose, die Sorbit-Spitzenreiter stehen unter Lebensmittel mit Sorbit. Auf jeder Lebensmittel-Seite stehen die Werte im Abschnitt „Verträglichkeit“.

Sorbit: natürlich und als Zusatzstoff

Sorbit ist ein Zuckeralkohol. Er kommt von Natur aus vor allem in Birnen, Kirschen, Pflaumen und anderem Steinobst vor. Als Zusatzstoff E 420 steckt er laut DZG in zuckerfreien Süßwaren und Kaugummis, Softdrinks, zuckerreduzierten Konfitüren und Joghurts. Auch Xylit, Mannit und Isomalt sollten bei Fruktosemalabsorption gemieden werden. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich bei allem mit „ohne Zucker“ oder „zuckerreduziert“.

Lass Beschwerden zuerst ärztlich abklären, bevor du dauerhaft auf Lebensmittel verzichtest. Eine Ernährungsfachkraft hilft bei der Testphase. Mehr Themen: FODMAP, Blähungen und alle Seiten unter Unverträglichkeiten.

Häufige Fragen

Welches Obst ist bei Fruktoseintoleranz verträglich?

Günstig ist Obst, das nicht mehr Fruktose als Glukose enthält. Laut Bundeslebensmittelschlüssel sind das zum Beispiel Banane, Kiwi, Ananas, Himbeeren und Orange. Apfel, Birne und Mango haben dagegen einen Fruktose-Überschuss, Birne zusätzlich viel Sorbit.

Was ist der Unterschied zwischen Fruktosemalabsorption und hereditärer Fruktoseintoleranz?

Die Fruktosemalabsorption ist häufig: Der Dünndarm nimmt nur begrenzte Mengen Fruchtzucker auf. Die hereditäre Fruktoseintoleranz ist ein sehr seltener angeborener Enzymdefekt, der sich meist im Babyalter zeigt und strengen lebenslangen Verzicht erfordert. Vor einem Atemtest muss sie ausgeschlossen werden.

Warum soll man bei Fruktoseintoleranz Sorbit meiden?

Laut Deutscher Zöliakie-Gesellschaft hemmen Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit, Mannit und Isomalt die Fruktoseaufnahme zusätzlich. Sorbit steckt von Natur aus in Birnen und Steinobst und als Zusatz (E 420) in zuckerfreien Süßwaren und Kaugummis.

Hilft Traubenzucker bei Fruktoseintoleranz?

Fruktose wird zusammen mit Glukose besser aufgenommen. Deshalb gilt Obst mit einem Verhältnis von Fruktose zu Glukose von etwa 1:1 als günstiger. Haushaltszucker besteht aus Glukose und Fruktose zu gleichen Teilen und wird in kleinen Mengen meist vertragen.

Muss man bei Fruktoseintoleranz auf Obst verzichten?

Nein. Ein kompletter Verzicht wird laut DZG und Apotheken Umschau nicht empfohlen. Nach einer kurzen Karenzphase wird die persönliche Toleranz getestet; meist reicht es, sehr fruktosereiche Lebensmittel zu meiden.

Quellen

  1. Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG): Fructosemalabsorption (Stand August 2021)
  2. Apotheken Umschau: Fructoseintoleranz – Symptome, Diagnose, Ernährung (Stand 14.10.2019)
  3. Shepherd SJ, Gibson PR (2006), J Am Diet Assoc 106:1631–1639; Zusammenfassung Ernährungs-Umschau 1/2007

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen

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