Vollkorn oder Weißmehl: Was ist der Unterschied?

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Vollkornmehl wird aus dem ganzen Korn gemahlen, inklusive Randschichten und Keimling. Weißmehl wie Weizenmehl Type 405 besteht dagegen fast nur aus dem stärkereichen Mehlkörper. Darum liefern Vollkornprodukte deutlich mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe – und Vollkornbrot hat pro 100 Gramm auch weniger Kohlenhydrate als ein Weizenbrötchen.

Was steckt im Korn – und was im Weißmehl?

Ein Getreidekorn besteht grob aus drei Teilen: den Randschichten (Schale), dem Keimling und dem Mehlkörper. Laut DGE stecken besonders viele Ballaststoffe in der Randschicht.

Für Vollkornmehl gilt laut Verbraucherzentrale: Es muss alle Bestandteile des gereinigten Korns enthalten, auch den Keimling. Nur die äußere Fruchtschale darf bei der Reinigung entfernt werden. Bei hellem Weißmehl werden Randschichten und Keimling dagegen weitgehend abgetrennt. Übrig bleibt vor allem Stärke, also Kohlenhydrate.

Die Type-Zahl beim Mehl erklärt

Die Zahl auf der Mehltüte ist kein Qualitätssiegel, sondern ein Messwert. Laut Verbraucherzentrale gibt sie den Mineralstoffgehalt an:

Die Regel dahinter: Je höher der Ausmahlungsgrad, desto höher die Type. Mehle mit hoher Type-Zahl sind dunkler und enthalten mehr Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine. Vollkornmehl hat gar keine Type-Zahl, weil es ohnehin das ganze Korn enthält.

Kohlenhydrate und Ballaststoffe im Vergleich

So sehen die Nährwerte pro 100 Gramm laut unseren Daten aus dem Bundeslebensmittelschlüssel aus:

Lebensmittel (100 g) Kohlenhydrate Ballaststoffe Energie
Vollkornbrot 32,5 g 9,6 g 193 kcal
Weizenbrötchen 54 g 3,6 g 280 kcal
Weizenmehl Type 405 71,8 g 5,3 g 348 kcal

Pro Portion wird der Unterschied greifbar: Eine Scheibe Vollkornbrot (50 g) hat 16,3 Gramm Kohlenhydrate, ein Weizenbrötchen (55 g) 29,7 Gramm. Vollkornbrot liefert dabei fast dreimal so viele Ballaststoffe pro 100 Gramm.

Wichtig: Der Vergleich gilt für die fertigen Backwaren. Brot und Brötchen unterscheiden sich auch in Rezeptur und Zutaten, nicht nur im Mehl. Den direkten Vergleich findest du unter Vollkornbrot vs. Weizenbrötchen.

Für Low Carb oder Keto ist auch Vollkornbrot keine kohlenhydratarme Wahl. Mit über 30 Gramm Kohlenhydraten pro 100 Gramm bleibt es ein kohlenhydratreiches Lebensmittel. Der Tausch gegen Weißbrot spart aber einiges.

Was die DGE empfiehlt

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist eindeutig: „Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl ist die Vollkornvariante die beste Wahl für die Gesundheit.“ Vollkornprodukte sättigen laut DGE länger und enthalten mehr Vitamine und Mineralstoffe als Weißmehlprodukte.

Bei den Ballaststoffen empfiehlt die DGE mindestens 30 Gramm pro Tag. Als Beispiel nennt sie unter anderem drei Scheiben Vollkornbrot, eine Portion Vollkornnudeln, dazu Gemüse und zwei Portionen Obst. Beim Backen rät die DGE zu Weizenmehl Type 1050 oder Weizenvollkornmehl.

Was Studien zeigen

Die bislang umfassendste Auswertung zur Kohlenhydratqualität stammt von Reynolds et al. (2019), erschienen im Fachjournal The Lancet. Sie fasst 185 Beobachtungsstudien und 58 klinische Studien zusammen.

Einschränkung: Ein Großteil dieser Daten stammt aus Beobachtungsstudien. Sie zeigen Zusammenhänge, beweisen aber nicht sicher Ursache und Wirkung. Die klinischen Studien in der Auswertung fanden mit mehr Ballaststoffen ein etwas niedrigeres Körpergewicht, im Mittel 0,37 Kilogramm.

Woran du echtes Vollkorn erkennst

Dunkle Farbe allein heißt nicht Vollkorn. Laut Verbraucherzentrale darf ein Brot nur dann „Vollkornbrot“ heißen, wenn mindestens 90 Prozent des Getreideanteils aus Vollkornerzeugnissen stammen. Bei Mehl erkennst du Vollkorn daran, dass es „Vollkornmehl“ heißt und keine Type-Zahl trägt. Weitere ballaststoffreiche Alternativen findest du in der Liste der ballaststoffreichsten Lebensmittel.

Ob lange geführter Teig Brot verträglicher macht und den Blutzucker weniger steigen lässt, klärt unser Ratgeber zu Sauerteigbrot.

Fazit

Vollkorn enthält das ganze Korn, Weißmehl vor allem den Mehlkörper. Vollkornbrot hat pro 100 Gramm weniger Kohlenhydrate und fast dreimal so viele Ballaststoffe wie ein Weizenbrötchen. Die DGE empfiehlt Vollkorn als beste Wahl, und große Meta-Analysen verbinden Ballaststoffe und Vollkorn mit einem geringeren Krankheitsrisiko – wenn auch überwiegend auf Basis von Beobachtungsdaten. Die Type-Zahl hilft beim Einkauf: Je höher, desto mehr vom Korn steckt drin.

Zum Weiterlesen: Buchtipps

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Häufige Fragen

Hat Vollkornbrot weniger Kohlenhydrate als ein Weizenbrötchen?

Ja, pro 100 Gramm: Vollkornbrot hat 32,5 Gramm Kohlenhydrate, ein Weizenbrötchen 54 Gramm. Vollkornbrot liefert außerdem fast dreimal so viele Ballaststoffe.

Was bedeutet Type 405 beim Mehl?

Die Type-Zahl gibt den Mineralstoffgehalt an: Type 405 enthält etwa 405 Milligramm Mineralstoffe pro 100 Gramm. Je höher die Zahl, desto mehr Randschichten des Korns stecken im Mehl.

Warum hat Vollkornmehl keine Type-Zahl?

Vollkornmehl muss alle Bestandteile des gereinigten Korns enthalten, inklusive Keimling. Deshalb bekommt es keine Typenbezeichnung.

Quellen

  1. Reynolds A et al. (2019): Carbohydrate quality and human health: a series of systematic reviews and meta-analyses. The Lancet 393(10170):434–445
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ballaststoffe (Leichte Sprache)
  4. Verbraucherzentrale Thüringen: Wann heißt's Vollkorn?
  5. Verbraucherzentrale Thüringen: Brot – was ist drin?

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen

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