Jod: Tagesbedarf, Jodsalz, Schwangerschaft & Präparate

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Wofür
Bestandteil der Schilddrüsenhormone; wichtig für Energiestoffwechsel, Wachstum und die Entwicklung des Kindes im Mutterleib
Tagesbedarf (DGE)
Frauen 150 µg, Männer 150 µg
Höchstmenge je Präparat (BfR)
100 µg pro Tag
Formen
Tabletten, Kapseln, Kombipräparate für Schwangere
Wer profitiert
Schwangere und Stillende nach ärztlicher Rücksprache; Menschen, die vegan leben oder weder Fisch noch Milch essen

Die meisten Erwachsenen brauchen kein Jod-Präparat, wenn sie Jodsalz verwenden und regelmäßig Seefisch und Milchprodukte essen. Anders ist es in Schwangerschaft und Stillzeit: Hier empfiehlt die DGE zusätzlich eine Jodtablette. Die Jodversorgung in Deutschland ist allerdings wieder rückläufig.

Was ist Jod und wofür braucht der Körper es?

Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Der Körper kann es nicht selbst bilden. Du musst es also regelmäßig mit dem Essen aufnehmen. Jod ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Diese steuern laut DGE unter anderem den Energiestoffwechsel, die Körpertemperatur sowie Zellteilung und Wachstum.

Ein Mangel zeigt sich oft unspezifisch, etwa durch Müdigkeit. Sichtbares Zeichen ist ein Kropf, also eine vergrößerte Schilddrüse. Besonders heikel ist ein Mangel in Schwangerschaft, Säuglings- und Kleinkindalter. Dann drohen laut DGE Störungen der körperlichen und geistigen Entwicklung.

Zu viel Jod schadet aber ebenfalls. Laut BfR kann es eine Überfunktion oder eine Unterfunktion der Schilddrüse auslösen. Gefährdet sind vor allem Menschen mit Schilddrüsenknoten oder einer Veranlagung für Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse.

Wie viel Jod braucht man am Tag?

Die DGE hat ihre Empfehlung 2025 neu abgeleitet:

Gruppe Jod pro Tag
Kinder 1 bis unter 7 Jahre 90 µg
Kinder 7 bis unter 13 Jahre 120 µg
Jugendliche und Erwachsene 150 µg
Schwangere 220 µg
Stillende 230 µg

Schwangere sollen laut DGE zusätzlich zu Jodsalz und ausgewogener Ernährung täglich 100 bis 150 µg Jod als Tablette nehmen. Für Stillende sind es 100 µg. Bei einer Schilddrüsenerkrankung ist vorher ärztlicher Rat nötig.

Versorgung in Deutschland: Laut Daten des Robert Koch-Instituts, die die DGE zitiert, haben 32 % der Erwachsenen und 44 % der Kinder und Jugendlichen ein Risiko für eine zu geringe Jodzufuhr. Ohne Jodsalz nehmen Erwachsene laut BfR im Median nur etwa 75 µg pro Tag auf, also rund die Hälfte der Empfehlung.

Ein Grund ist, dass Hersteller seltener Jodsalz verwenden. Nach Daten des Max Rubner-Instituts, die das BfR nennt, sank der Anteil bei Brot und Kleingebäck auf 9 %, bei Wurstwaren auf 34 %. Für eine gute Versorgung wären rund 40 % nötig.

Lebensmittel mit viel Jod

Welche Jod-Lebensmittel liefern am meisten? Die besten natürlichen Quellen sind laut DGE Seefisch und andere Meereslebensmittel. Auch Milch und Eier liefern Jod, wenn die Tiere jodhaltiges Futter bekommen. Die Werte pro 100 g stammen aus dem Bundeslebensmittelschlüssel (BLS 4.0):

Lebensmittel Jod pro 100 g
Kabeljau, gebraten 266 µg
Miesmuscheln, gekocht 144 µg
Garnelen, gekocht 81 µg
Parmesan 81 µg
Feta 78 µg
Hering, gebraten 54 µg
Ei, gekocht 52 µg
Fischstäbchen, gebraten 47 µg

Milch enthält laut BLS etwa 14 µg pro 100 g. Ein großes Glas trägt damit spürbar zur Versorgung bei. Biomilch enthält laut BfR etwas weniger Jod. Pflanzendrinks enthalten von Natur aus kaum Jod, wenn sie nicht angereichert sind.

Die Verbraucherzentrale rät zu Seefisch ein- bis zweimal pro Woche. Dazu kommt Jodsalz: Es enthält im Schnitt etwa 20 mg Jod pro Kilogramm, also rund 20 µg pro Gramm. Die DGE empfiehlt: Wenn Salz, dann Jodsalz. Das gilt zu Hause, beim Bäcker, beim Metzger und in der Kantine. Mehr Fisch und Meeresfrüchte findest du in der Kategorie Fisch und Meeresfrüchte. Weitere Lebensmittel zeigt die Rangliste jodhaltige Lebensmittel.

Wer braucht Jod als Nahrungsergänzung?

Laut DGE und BfR gibt es eine klare Empfehlung nur für Schwangere und Stillende. Kläre die Einnahme mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt ab. Viele Präparate für Schwangere kombinieren Jod mit Folsäure.

Ein erhöhtes Risiko für zu wenig Jod haben laut BfR und Verbraucherzentrale außerdem:

Für diese Gruppen gilt: Erst Jodsalz, Seefisch und angereicherte Lebensmittel nutzen. Ob zusätzlich eine Tablette sinnvoll ist, klärst du am besten ärztlich. Säuglinge, die nur selbst gekochte Breie bekommen, sollten laut DGE etwa 50 µg Jod pro Tag als Supplement erhalten.

Wer eine Schilddrüsenerkrankung hat, sollte Jodpräparate nie auf eigene Faust nehmen. Das gilt für Hashimoto, eine Überfunktion und Schilddrüsenknoten.

Jodmangel: Anzeichen, Folgen und Diagnose

Jod gelangt über Meerwasser und Regen in Böden und Pflanzen; meerferne Gebiete sind jodarm. Wo Speisesalz jodiert wird, ist ein ausgeprägter Mangel laut MSD Manual selten. Besonders gefährdet sind Schwangere und Stillende, die über die Ernährung oft zu wenig aufnehmen.

Anzeichen: Typisch ist eine vergrößerte Schilddrüse (Kropf), weil sie versucht, mehr Jod einzufangen. Bildet sie zu wenig Hormon, folgt eine Unterfunktion mit Schwellungen im Gesicht, Heiserkeit, verlangsamtem Denken, trockener Haut, dünnem, struppigem Haar, Kälteempfindlichkeit und Gewichtszunahme; auch die Fruchtbarkeit kann sinken.

In der Schwangerschaft: Ein Mangel erhöht das Risiko für Fehl- und Totgeburten, bremst das Wachstum des Kindes und stört die Gehirnentwicklung. Deshalb empfehlen DGE und BfR Schwangeren und Stillenden ein Jodpräparat (siehe oben).

Diagnose: Über Blutwerte der Schilddrüse (niedrige Schilddrüsenhormone, erhöhtes TSH), bei Erwachsenen oft auch über Tasten und Ultraschall. Neugeborene werden in Deutschland routinemäßig auf eine Schilddrüsenunterfunktion untersucht.

Was sagt die Studienlage zu Jod?

Schwangerschaft

Jodmangel in der Schwangerschaft kann laut DGE die Entwicklung des Kindes stören. Weniger klar ist, wie viel eine Tablette bei leichtem Mangel bringt. Ein Cochrane-Review von Harding und Kollegen (2017) schloss 14 Studien ein. Elf Studien mit über 2.700 Frauen lieferten auswertbare Daten.

Die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse war niedrig bis sehr niedrig. Die Autoren sehen keine belastbare Grundlage für oder gegen eine Routine-Einnahme. Die deutsche Empfehlung beruht vor allem auf der knappen Versorgungslage und dem hohen Bedarf in dieser Phase.

Algen und hohe Dosen

Das BfR warnt seit Jahren vor getrockneten Algen. Kombu enthält im Mittel etwa 2.000 mg Jod pro Kilogramm Trockenmasse, Wakame etwa 200 mg und Nori etwa 80 mg. Schon 1 bis 2 g Kombu können mehrere 1.000 µg Jod liefern. Bei älteren Menschen mit Schilddrüsenknoten kann laut BfR sogar eine einzige Mahlzeit eine Überfunktion auslösen.

Was nicht belegt ist

Dass Jod-Präparate bei gesunden, gut versorgten Erwachsenen müde Menschen munter machen oder beim Abnehmen helfen, ist nicht belegt. Eine Schilddrüsenerkrankung gehört in ärztliche Behandlung, nicht in die Selbstmedikation.

Worauf solltest du beim Kauf achten?

Ob Jod-Tabletten oder Kombipräparate – für alle Formen gelten dieselben Punkte.

Dosis: Das BfR empfiehlt höchstens 100 µg Jod pro Tagesportion eines Nahrungsergänzungsmittels. Für Präparate, die sich an Schwangere und Stillende richten, sind es 150 µg. Die EFSA hält für Erwachsene bis zu 600 µg pro Tag aus allen Quellen für unbedenklich. Laut Verbraucherzentrale wird in Deutschland wegen älterer Menschen mit Schilddrüsenknoten ein niedrigerer Wert von 500 µg angesetzt. Typische Präparate enthalten 100 bis 200 µg.

Verbindungen: Erlaubt sind laut Verbraucherzentrale Natriumjodid, Natriumjodat, Kaliumjodid und Kaliumjodat. Bei diesen Salzen ist die Menge genau bekannt. Bei Präparaten aus Kelp oder Braunalgen hängt der Jodgehalt vom Rohstoff ab. Das BfR bemängelt bei Algenprodukten seit Langem unzureichende Angaben.

Kombipräparate: Viele Produkte enthalten zusätzlich Folsäure, Selen oder andere Stoffe. Nimmst du mehrere Präparate, zähle das Jod aus allen zusammen. Manche Hersteller raten ausdrücklich davon ab, weitere jodhaltige Präparate zu nehmen.

Tagesportion: Achte auf die empfohlene Zahl der Tabletten. Manche Hersteller empfehlen mehrere Tabletten täglich und liegen damit über der BfR-Höchstmenge.

Einen Überblick über weitere Wirkstoffe findest du auf der Seite Nahrungsergänzung.

Jod-Präparate im Überblick

Dosis laut Hersteller pro empfohlener Tagesportion, im Verhältnis zur Höchstmenge des BfR (100 µg). Die Auswahl ist keine Empfehlung; maßgeblich ist die Packungsangabe.

ProduktFormDosis pro TagBfR-HöchstmengePackung und PreisHerstellerangabe
Mivolis (dm) Mama & Baby 1 – Kombipräparat u. a. mit 800 µg Folsäure, 15 mg Eisen und 20 µg Vitamin D Tablette 150 µg (1 Tablette) 150 %
über dem Vorschlag
30 St: 3,45 € Stand 18.10.2026
EAN 4066447833485
Femibion 1 Frühschwangerschaft + 2 Schwangerschaft (Set) – Kombipräparat mit Folat; Femibion 1 für Kinderwunsch und 1. Trimester, Femibion 2 ab dem 2. Trimester und in der Stillzeit
für Schwangere
Tablette 150 µg (1 Tablette) 150 %
über dem Vorschlag
140 St: 112,89 €
112 St: 93,29 €
Stand 18.10.2026
PZN 08096311
Folio 1 basic Filmtabletten – mit 800 µg Folsäure; bis Ende der 12. SSW; jodfreie Variante erhältlich; Hersteller wirbt mit ÖKO-TEST „gut“ (Ausgabe 09/2026)
für Schwangere
Tablette 150 µg (1 Tablette) 150 %
über dem Vorschlag
90 St: 11,77 €
180 St: 13,99 €
Stand 18.10.2026
PZN 18671338
Sunday Natural Jod 100 µg Kaliumiodid – Kaliumiodid; Hersteller empfiehlt 1 bis 3 Tabletten täglich, also bis 300 µg Tablette 100 µg (1 Tablette) 100 % –: 11,90 € Stand 18.10.2026
EAN 4260677580717
NaturaFit Jod Kapseln – Jod aus Braunalgen Kapsel 100 µg (1 Kapsel) 100 % 90 St Stand 18.10.2026
PZN 01685833
Nature Love Jod Komplex Schilddrüse – Jod aus Braunalgen, mit 100 µg Selen, L-Tyrosin und B-Vitaminen
nicht für Kinder, Jugendliche
Kapsel 150 µg (1 Kapsel) 150 %
über dem Vorschlag
180 St Stand 18.10.2026
EAN 4260488131917
NOW Foods Kelp 150 mcg – Jod aus Seetang (Laminaria)
nicht für Schwangere, Stillende
Tablette 150 µg (1 Tablette) 150 %
über dem Vorschlag
–: 13,30 € Stand 18.10.2026
PZN 17820629

„nicht für …“ und „für …“ geben die Hinweise des Herstellers auf der verlinkten Produktseite wieder.

Die BfR-Höchstmengen sind Vorschläge; verbindliche EU-Höchstmengen gibt es bisher nicht. Preise vom Tag „Stand“ auf der verlinkten Seite, ohne Versand und Aktionen; weitere Packungsgrößen darunter.

Schwangerschaft, Stillzeit und besondere Gruppen

Schwangerschaft
Die DGE empfiehlt Schwangeren 220 µg Jod pro Tag. Zusätzlich zu Jodsalz und ausgewogener Ernährung sollen sie täglich 100 bis 150 µg Jod als Tablette nehmen. Bei einer Schilddrüsenerkrankung vorher ärztlich abklären. Quelle
Stillzeit
Stillende brauchen laut DGE 230 µg Jod pro Tag und sollen zusätzlich 100 µg Jod als Tablette nehmen. Das BfR rät, die Einnahme mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt abzusprechen. Quelle
Kinder
Säuglinge, die ausschließlich selbst zubereitete Breie bekommen, sollten laut DGE etwa 50 µg Jod pro Tag als Supplement erhalten. Insgesamt empfiehlt die DGE für Kinder je nach Alter 90 bis 150 µg pro Tag. Quelle
Vegane Ernährung
Wer vegan lebt oder Fisch, Milch und Eier meidet, hat laut BfR ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung. Jodsalz und angereicherte Pflanzendrinks helfen; ob ein Präparat nötig ist, klärst du am besten ärztlich. Quelle
Ältere Menschen
Ältere Menschen reagieren laut Verbraucherzentrale empfindlicher auf zu viel Jod, etwa bei Schilddrüsenknoten. Jodsalz ist unproblematisch, hoch dosierte Präparate und Algen solltest du meiden. Quelle

Was Fachleute in TV-Beiträgen sagen

Aussagen sinngemäß aus den Untertiteln der Beiträge zusammengefasst. Ergebnisse einzelner Testpersonen sind nicht übertragbar.

Vorsicht bei Medikamenten und Erkrankungen

Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine abwechslungsreiche Ernährung. Bei Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, sprich die Einnahme vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Häufige Fragen

Wie viel Jod braucht man am Tag?

Jugendliche und Erwachsene brauchen laut DGE 150 µg pro Tag, Schwangere 220 µg und Stillende 230 µg.

Sollte man in der Schwangerschaft Jod nehmen?

Ja, die DGE empfiehlt Schwangeren zusätzlich 100 bis 150 µg Jod pro Tag als Tablette, Stillenden 100 µg. Bei einer Schilddrüsenerkrankung vorher ärztlich abklären.

Darf man bei Hashimoto Jodsalz verwenden?

Ja. Jodsalz gilt laut Verbraucherzentrale auch bei Hashimoto als unproblematisch. Jodtabletten solltest du bei einer Schilddrüsenerkrankung aber nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen.

Welche Lebensmittel enthalten viel Jod?

Vor allem Seefisch wie Kabeljau, Meeresfrüchte, Milch, Käse und Eier. Dazu kommt Jodsalz, auch in Brot und Wurst, wenn der Hersteller es verwendet.

Sind Algen eine gute Jodquelle?

Eher nicht. Getrocknete Algen wie Kombu können so viel Jod enthalten, dass schon wenige Gramm die Obergrenze weit überschreiten. Das BfR warnt besonders Schwangere, Kinder und Schilddrüsenkranke.

Quellen

  1. folio: Folio 1 basic erneut mit „gut“ im ÖKO-TEST (Herstellerangabe, ÖKO-TEST 09/2026)
  2. DGE: Referenzwert Jod (2025)
  3. BfR: Jodversorgung in Deutschland wieder rückläufig – Fragen und Antworten (Stand 13.10.2026)
  4. BfR: Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe (2021)
  5. BfR: Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen (Stellungnahme 026/2007)
  6. Verbraucherzentrale: Jodversorgung ist in Deutschland wieder rückläufig
  7. Harding KB et al.: Iodine supplementation for women during the preconception, pregnancy and postpartum period. Cochrane Review 2017
  8. MSD Manual (Ausgabe für Patienten): Jodmangel (Stand 07/2025)