Abnehmen in der Stillzeit: Wie schnell ist sinnvoll?
Abnehmen in der Stillzeit ist in Ordnung, wenn es langsam geschieht. Fachstellen raten nur von starker Gewichtsabnahme durch Diäten ab: Dabei können Nährstoffe fehlen und Schadstoffe aus dem Fettgewebe in die Muttermilch gelangen. Fasten, Formula-Kuren, Keto, Saftkuren und Crash-Diäten passen deshalb nicht in diese Zeit.
Dieser Ratgeber fasst zusammen, was DGE, das Netzwerk Gesund ins Leben und familienplanung.de dazu sagen. Wenn du eine Erkrankung hast oder dein Baby schlecht zunimmt, sprich dein Vorgehen mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme ab.
Wie schnell ist Abnehmen in der Stillzeit sinnvoll?
Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt: Stillende sollen keine starke Gewichtsabnahme durch Diäten anstreben. Ein mäßiger Gewichtsverlust ist dagegen normal. Einen festen Grenzwert in Kilo pro Woche gibt es nicht. Als Warnsignal gilt, wenn du unter dein Gewicht von vor der Schwangerschaft rutschst.
Der Grund für die Vorsicht: Manche fettlöslichen Schadstoffe lagern im Fettgewebe. Bei sehr starker Abnahme werden sie freigesetzt und können in die Muttermilch übergehen.
Einen Anhaltspunkt gibt eine kleine US-Studie (Lovelady und Kollegen, 2000). 40 übergewichtige Stillende nahmen teil. Die Interventionsgruppe aß 500 kcal weniger am Tag und bewegte sich bis zu 45 Minuten täglich. In zehn Wochen verloren die Frauen rund 5 kg, die Babys wuchsen normal. Das gilt für übergewichtige Frauen, nicht pauschal für jede Mutter.
Energiebedarf Stillender laut DGE
Stillen kostet Energie. Die DGE nennt für Frauen, die in den ersten 4 bis 6 Monaten ausschließlich stillen, einen Zuschlag von 500 kcal pro Tag. Deinen Grundbedarf schätzt du mit dem Kalorienbedarf-Rechner und rechnest den Stillzuschlag hinzu. Ein Defizit planst du in dieser Zeit eher klein.
Welche Diäten in der Stillzeit ungeeignet sind
Laut Netzwerk Gesund ins Leben kann eine starke Einschränkung der Energiezufuhr oder der Lebensmittelauswahl die Nährstoffversorgung von Mutter und Kind gefährden. familienplanung.de rät klar: In der Stillzeit keine Diät.
| Methode | Einschätzung | Grund |
|---|---|---|
| Heilfasten | ungeeignet | Stillzeit ist laut Fasten-Leitlinie eine Gegenanzeige |
| Formula-Diät | nur mit Fachrat | EU-Pflichthinweis für Stillende auf Tagesrationen |
| Keto-Diät | ungeeignet | Fallbericht einer Ketoazidose bei einer Stillenden |
| Saftkur | ungeeignet | DGE: Stillende sollen keine Entgiftungskur machen |
| Kohlsuppendiät, Militär-Diät | ungeeignet | sehr wenig Energie, einseitige Auswahl |
Zum Keto-Risiko: Ein Fallbericht aus Schweden (von Geijer und Ekelund, 2015) beschreibt eine gesunde Stillende ohne Diabetes. Sie aß unter 20 g Kohlenhydrate am Tag und kam nach zehn Tagen mit einer Ketoazidose ins Krankenhaus. Die Autoren raten, strenge Low-Carb-Diäten in der Stillzeit zu meiden. Ein Einzelfall beweist kein allgemeines Risiko. Er zeigt aber, dass Milchbildung plus Kaloriendefizit den Stoffwechsel stark fordert.
Was stattdessen hilft
Ausgewogen und regelmäßig essen: Das Netzwerk empfiehlt Stillenden, regelmäßig und abwechslungsreich zu essen. Laut familienplanung.de wirkt eine Kombination aus Bewegung und Ernährungsumstellung am besten, wenn nach der Schwangerschaft Kilos geblieben sind. Ein paar Kilo mehr sind laut familienplanung.de gesundheitlich unbedenklich.
Bewegung und Rückbildung: Optimal sind laut Netzwerk 30 Minuten Bewegung am Tag, Schritt für Schritt aufgebaut. Nach einer unkomplizierten Geburt beginnt die eigentliche Rückbildungsgymnastik nach etwa sechs Wochen, nach einem Kaiserschnitt nach sechs bis acht Wochen und mit ärztlichem Rat.
Schlaf: Ruhe und Schlaf bleiben laut Netzwerk wichtig. In einer US-Beobachtungsstudie mit 940 Müttern (Gunderson und Kollegen, 2008) hatten Frauen, die sechs Monate nach der Geburt höchstens fünf Stunden schliefen, ein etwa dreifach erhöhtes Risiko, ein Jahr nach der Geburt noch mindestens 5 kg über dem Ausgangsgewicht zu liegen. Ursache und Wirkung belegt das nicht.
Jod, DHA und Getränke
Jod: Das Netzwerk empfiehlt Jodsalz und zusätzlich 100 µg Jod pro Tag als Tablette. Bei einer Schilddrüsenerkrankung klärst du das vorher ärztlich. Mehr unter Jod und im Ratgeber Nahrungsergänzung in Schwangerschaft und Stillzeit.
DHA: Zweimal pro Woche Fisch, davon mindestens einmal fettreicher Meeresfisch wie Hering, Makrele oder Lachs. Wer keinen Fisch isst, kann Kapseln mit 200 mg DHA am Tag nehmen. Siehe Omega-3.
Getränke: Trink über den Tag verteilt reichlich, etwa ein Glas Wasser zu jeder Stillmahlzeit. Geeignet sind Wasser, ungesüßter Tee und stark verdünnter Saft.
Alkohol
Das Netzwerk empfiehlt Stillenden, Alkohol zu meiden. Eine sichere Obergrenze lässt sich nicht ableiten. Alkohol geht in die Muttermilch über, der Gehalt erreicht etwa 30 Minuten nach dem Trinken sein Maximum. Wer im Ausnahmefall ein Glas Wein oder Sekt trinkt, stillt vorher und plant mindestens 1 bis 2 Stunden Abstand bis zum nächsten Stillen ein.
Mythen rund ums Stillen und Abnehmen
„Milchbildungstee steigert die Milch.“ Studien, die das belegen, gibt es laut Netzwerk nicht. Möglich sind ein Placeboeffekt oder die zusätzliche Flüssigkeit. Auch mehr zu trinken als nötig steigert die Milchmenge nicht nachweislich.
„Bier fördert die Milchbildung.“ Nicht belegt. Alkohol kann den Milchspendereflex sogar verringern oder verzögern.
„Sport macht die Milch sauer.“ Falsch, sagt das Netzwerk. Moderate Bewegung hat keine Nachteile fürs Stillen. Stille am besten vor dem Training und trink ausreichend.
„Durch Stillen nimmst du automatisch ab.“ Möglicherweise unterstützt Stillen die Abnahme, schreibt familienplanung.de. Es gibt aber auch Studien mit wenig oder keinem Effekt.
Fazit
Abnehmen in der Stillzeit gelingt am besten langsam: ausgewogen essen, kleines Defizit, Bewegung und Rückbildung. Fasten, Formula-Kuren, Keto, Saftkuren und Crash-Diäten meidest du, weil Nährstoffe fehlen und Schadstoffe aus dem Fettgewebe frei werden können. Jod ergänzt du mit 100 µg täglich, Alkohol lässt du weg. Den Stillzuschlag von 500 kcal solltest du nicht wegsparen.
Was Fachleute in TV-Beiträgen sagen
- Katharina, Hebamme (AOK – Willkommen Familie): In der Stillzeit sei keine spezielle Ernährung nötig. Wichtig sei, genug Vitamin D, Calcium, Eisen, Zink und Jod aufzunehmen; gelinge das nicht – bei Jod oft schwierig –, könnten Nahrungsergänzungen helfen. Die Muttermilch enthalte alles, was das Baby brauche; erst bei einem Mangel der Mutter könne sie zu wenig davon liefern.
Quelle: AOK – Willkommen Familie, „Ernährung in der Stillzeit: Was du wirklich essen darfst – und was nicht“, 11. November 2025
Aussagen sinngemäß aus den Untertiteln der Beiträge zusammengefasst. Ergebnisse einzelner Testpersonen sind nicht übertragbar.
Häufige Fragen
Wie schnell darf man in der Stillzeit abnehmen?
Einen festen Grenzwert gibt es nicht. Das Netzwerk Gesund ins Leben rät nur von starker Gewichtsabnahme durch Diäten ab. Rutschst du unter dein Gewicht von vor der Schwangerschaft, kann das ein Zeichen für zu starke Abnahme sein.
Wie viele Kalorien brauchen Stillende zusätzlich?
Laut DGE etwa 500 kcal pro Tag, wenn du in den ersten 4 bis 6 Monaten ausschließlich stillst. Dein Gesamtbedarf hängt zusätzlich von Größe, Gewicht und Bewegung ab.
Darf ich in der Stillzeit fasten oder Keto machen?
Davon wird abgeraten. Fasten gilt in der Stillzeit als Gegenanzeige, und nach einer strengen Low-Carb-Diät mit unter 20 g Kohlenhydraten ist bei einer Stillenden eine Ketoazidose beschrieben.
Macht Sport die Muttermilch sauer?
Nein. Laut Netzwerk Gesund ins Leben ist das ein Mythos. Moderate Bewegung hat keine Nachteile fürs Stillen; trink dabei ausreichend Wasser.
Helfen Milchbildungstees?
Belegt ist das nicht. Studien, die eine milchfördernde Wirkung zeigen, gibt es laut Netzwerk Gesund ins Leben nicht. Auch mehr trinken als nötig steigert die Milchmenge nicht nachweislich.
Darf ich in der Stillzeit ein Glas Wein trinken?
Empfohlen ist Verzicht, weil keine sichere Menge bekannt ist. Im Ausnahmefall stillst du vorher und planst danach mindestens 1 bis 2 Stunden Abstand ein.
Quellen
- Netzwerk Gesund ins Leben: Einschränkung der Energiezufuhr oder Lebensmittelauswahl in der Stillzeit (Handlungsempfehlungen, Stand 2016)
- Netzwerk Gesund ins Leben: Essen und Trinken in der Stillzeit
- Netzwerk Gesund ins Leben: Sport und Bewegung in der Stillzeit
- Netzwerk Gesund ins Leben: Fragen und Mythen rund ums Stillen
- Netzwerk Gesund ins Leben: Alkohol in der Stillzeit (Handlungsempfehlungen, Stand 2016)
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte Energie
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Entgiftungsdiäten
- familienplanung.de (BIÖG): Gewicht abnehmen nach der Geburt
- Delegierte Verordnung (EU) 2017/1798: Tagesrationen für gewichtskontrollierende Ernährung, Art. 4
- Wilhelmi de Toledo F et al. (2013): Fasting Therapy – an Expert Panel Update of the 2002 Consensus Guidelines. Forsch Komplementmed 20(6):434–443
- von Geijer L, Ekelund M (2015): Ketoacidosis associated with low-carbohydrate diet in a non-diabetic lactating woman: a case report. J Med Case Rep 9:224
- NICHD (2000): Moderate Weight Loss OK for Overweight Moms Who Breast Feed (zu Lovelady et al., N Engl J Med 2000)
- Gunderson EP et al. (2008): Association of fewer hours of sleep at 6 months postpartum with substantial weight retention at 1 year postpartum. Am J Epidemiol 167(2):178–187, DOI 10.1093/aje/kwm298
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen