Makrobiotische Ernährung: Regeln, Risiken & Studien

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Prinzip
Vollkorngetreide als Basis, dazu gekochtes Gemüse, Hülsenfrüchte, Algen und Suppen, eingeteilt nach Yin und Yang
Kohlenhydrate pro Tag
Hoch, nach Kushi rund 50–60 % Vollkorngetreide
Dauer
Als dauerhafte Lebensweise gedacht
Schwangerschaft/Stillzeit
nicht geeignet / nicht geeignet
Kategorie
Ernährungsformen
Einschätzung
1,6 von 5

Makrobiotik ist eine Ernährungslehre, die Lebensmittel nach Yin und Yang einteilt. Basis ist Vollkorngetreide, dazu gibt es gekochtes Gemüse, Hülsenfrüchte, Algen und Suppen. Laut Gesundheits-Lexikon ist die Yin-Yang-Einteilung wissenschaftlich nicht belegt, eine medizinische Empfehlung ist nicht möglich. Für Kinder, Schwangere und Stillende ist Makrobiotik ungeeignet.

Was ist Makrobiotik?

Makrobiotik versteht Krankheit als Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang. Die Kost soll Krankheiten vorbeugen oder „aus eigener Kraft“ heilen. Belegt ist dieser Anspruch laut Gesundheits-Lexikon nicht. Im Westen bekannt machte die Makrobiotik George Ohsawa, Michio Kushi entwickelte eine abgewandelte Form, Steve Acuff eine flexible moderne Variante.

So funktioniert Makrobiotik: Yin, Yang und die drei Formen

Yin steht für ausdehnend und kühlend, Yang für zusammenziehend und wärmend. Lebensmittel werden danach eingeteilt und so kombiniert, dass sich beide Kräfte ausgleichen. Die Kriterien dieser Einteilung sind laut Gesundheits-Lexikon nicht standardisiert und wissenschaftlich nicht validiert.

Es gibt drei bekannte Formen:

Form Was gegessen wird Bewertung laut Gesundheits-Lexikon
Ohsawa überwiegend Vollkornreis, wenig gekochtes Gemüse, Hülsenfrüchte, Algen; wenig Flüssigkeit, viel Salz klar abzulehnen
Kushi 50–60 % Vollkorngetreide, rund 25 % Gemüse, wenig pflanzliches Eiweiß, Suppen für Kinder, Schwangere und Stillende ungeeignet, für Erwachsene langfristig riskant
Acuff flexibel, dazu Eier und fettreicher Fisch 1- bis 3-mal pro Woche mit Wissen und Ergänzungen machbar, aber ohne belegten Vorteil

Was darf man bei Makrobiotik essen?

Wegen des hohen Getreideanteils ist Makrobiotik kohlenhydratreich. Wie viel Kohlenhydrate einzelne Getreide liefern, zeigt die Liste kohlenhydratreiche Lebensmittel.

Welche Nährstoffe fehlen?

Laut Gesundheits-Lexikon können knapp werden: Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Eisen, Jod, Omega-3-Fettsäuren und Zink. Eisen und Zink werden wegen des Phytats im Getreide zusätzlich schlechter aufgenommen. Bei rein pflanzlicher Kost ist eine B12-Ergänzung nötig, mehr dazu im Artikel Vitamin B12.

Beispieltag nach dem Muster von Kushi

Ein rein pflanzlicher Tag mit Vollkorngetreide als Basis, gekochtem Gemüse, Hülsenfrüchten und Suppe. Nährwerte aus dem Bundeslebensmittelschlüssel:

Mahlzeit Lebensmittel kcal Kohlenhydrate
Frühstück 40 g Haferflocken als Brei mit Wasser, 10 g Sesam 195 21 g
Mittag 180 g Vollkornreis, 150 g Linsen, 150 g Karotten 468 80 g
Abend 200 g Misosuppe, 180 g Hirse, 150 g Chinakohl, 100 g Tofu 414 52 g
Summe rund 1.080 154 g

Der Tag liefert 154 g Kohlenhydrate, rund 57 Prozent der Energie, dazu 31 g Ballaststoffe und 56 g Eiweiß. Mit gut 1.000 kcal liegt er unter dem Bedarf der meisten Erwachsenen, für den Alltag wären größere Portionen nötig. Bei rein pflanzlicher Kost ist laut Gesundheits-Lexikon eine B12-Ergänzung nötig.

Was sagt die Studienlage?

Studien, die einen gesundheitlichen Vorteil der Makrobiotik gegenüber anderen Ernährungsformen belegen, nennt das Gesundheits-Lexikon nicht.

Vor- und Nachteile

Vorteile Nachteile
viel Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchte, reich an Ballaststoffen Yin-Yang-Einteilung wissenschaftlich nicht belegt
wenig Zucker und stark verarbeitete Produkte Mangel an Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Eisen, Jod und Zink möglich
lockere Form nach Acuff mit Fisch und Eiern machbar strenge Formen für Kinder, Schwangere und Stillende ungeeignet
kein belegter Vorteil gegenüber anderer pflanzenbetonter Kost

Für wen eignet sich Makrobiotik?

Vorsicht bei Medikamenten und Erkrankungen

Nimmst du Medikamente oder hast eine Erkrankung, sprich die Umstellung vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Für Schwangere und Stillende ist Makrobiotik laut Gesundheits-Lexikon nicht geeignet, weil Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Eisen, Jod und Omega-3-Fettsäuren knapp werden können. Iss in Schwangerschaft und Stillzeit lieber ausgewogene Mischkost oder eine gut geplante vegetarische Kost mit ärztlicher Begleitung. Quelle

Mehr dazu: Nahrungsergänzung in Schwangerschaft und Stillzeit.

Makrobiotik im Vergleich

DiätPrinzipKohlenhydrate pro TagEinschätzung
MakrobiotikVollkorngetreide als Basis, dazu gekochtes Gemüse, Hülsenfrüchte, Algen und Suppen, eingeteilt nach Yin und YangHoch, nach Kushi rund 50–60 % Vollkorngetreide1,6 von 5
Vegane DiätNur pflanzliche Lebensmittel: kein Fleisch, Fisch, Milch, Eier oder Honig; Vitamin B12 als PräparatKeine feste Grenze, meist reich an Kohlenhydraten3,0 von 5
MittelmeerdiätViel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn und Nüsse, Olivenöl als Hauptfett, regelmäßig Fisch, wenig rotes FleischKeine feste Grenze, meist aus Vollkorn und Hülsenfrüchten4,2 von 5
TrennkostEiweißreiche und kohlenhydratreiche Lebensmittel in getrennten Mahlzeiten, dazu viel Gemüse, Salat und ObstKeine feste Grenze, nur nicht zusammen mit Eiweiß2,2 von 5

Alle Diäten mit Bewertung: Diäten im Überblick.

Fachliche Einschätzung: Makrobiotik

KriteriumBewertung
Abnehmerfolg 2 von 5
Alltagstauglichkeit 2 von 5
Nährstoffversorgung 1 von 5
Studienlage 1 von 5
Langfristig durchhaltbar 2 von 5
Gesamt1,6 von 5

Die Einteilung der Lebensmittel nach Yin und Yang ist wissenschaftlich nicht belegt. Strenge Formen wie die nach Ohsawa sind abzulehnen, auch die Kost nach Kushi ist für Kinder, Schwangere und Stillende ungeeignet. Studien fanden bei makrobiotisch ernährten Kindern und Erwachsenen häufig Vitamin-B12-Mangel. Die lockere Form nach Acuff ist mit Fisch, Eiern und Ergänzungen machbar, hat aber keinen belegten Vorteil gegenüber anderer pflanzenbetonter Kost.

Einschätzung der Redaktion auf Grundlage der genannten Studien und Leitlinien (1 = schwach, 5 = sehr gut). Gleiche Kriterien für alle Diäten: so bewerten wir.

Erfahrungen mit der Makrobiotik

Noch keine Erfahrungsberichte. Hast du Erfahrung mit der Makrobiotik? Erzähl, was funktioniert hat und was nicht – das hilft anderen bei der Entscheidung.

Erfahrungsberichte sind persönliche Eindrücke einzelner Menschen, keine Studienergebnisse und keine Empfehlung. Wir lesen jeden Bericht vor der Veröffentlichung, können aber nicht überprüfen, ob die Person die Diät tatsächlich gemacht hat. Berichte werden weder bezahlt noch nach Ergebnis ausgewählt.

Häufige Fragen

Was ist makrobiotische Ernährung?

Eine Ernährungslehre, die Lebensmittel nach Yin und Yang einteilt und Krankheit als Ungleichgewicht versteht. Basis ist Vollkorngetreide, dazu kommen gekochtes Gemüse, Hülsenfrüchte, Algen und Suppen. Im Westen bekannt machte sie George Ohsawa, Michio Kushi entwickelte eine abgewandelte Form.

Was isst man bei Makrobiotik?

Nach Kushi etwa 50 bis 60 Prozent Vollkorngetreide und rund 25 Prozent Gemüse, dazu pflanzliches Eiweiß und regelmäßig Suppen. Gemieden werden Fleisch, die meisten Milchprodukte, Zucker, Alkohol, Kaffee, schwarzer Tee und stark verarbeitete Produkte, je nach Auslegung auch Nachtschattengewächse.

Ist Makrobiotik gesund?

Nicht in den strengen Formen. Die Yin-Yang-Einteilung ist wissenschaftlich nicht belegt, und Studien fanden häufig Vitamin-B12-Mangel. Die lockere Form mit Fisch und Eiern ist für gesunde Erwachsene mit Ergänzungen machbar, hat aber keinen belegten Vorteil gegenüber anderer pflanzenbetonter Kost.

Darf man bei Makrobiotik Fisch essen?

Je nach Form. Die moderne, flexible Form nach Steve Acuff erlaubt Eier und fettreichen Fisch ein- bis dreimal pro Woche. Die Formen nach Ohsawa und Kushi sind überwiegend pflanzlich.

Ist Makrobiotik für Kinder geeignet?

Nein. In Studien hatten makrobiotisch ernährte Kinder Wachstumsverzögerungen und Nährstoffmängel. In den Niederlanden hatten Jugendliche, die bis zum Alter von sechs Jahren makrobiotisch gegessen hatten, Jahre später noch zu 37 Prozent zu niedrige B12-Werte.

Quellen

  1. Gehring WG (Stand 22.01.2026): Makrobiotik. Gesundheits-Lexikon
  2. van Dusseldorp M et al. (1999): Risk of persistent cobalamin deficiency in adolescents fed a macrobiotic diet in early life. Am J Clin Nutr 69(4):664-71
  3. Miller DR et al. (1991): Vitamin B-12 status in a macrobiotic community. Am J Clin Nutr 53(2):524-9

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Ob dein Gewicht im Normalbereich liegt, zeigt der BMI-Rechner; wie viel Energie du brauchst, der Rechner für Kohlenhydrate pro Tag.

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