Calcium: Tagesbedarf, Knochen & Präparate im Vergleich

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Wofür
Baustein von Knochen und Zähnen; wichtig für Nerven, Muskeln und Blutgerinnung
Tagesbedarf (DGE)
Frauen 1.000 mg, Männer 1.000 mg
Höchstmenge je Präparat (BfR)
500 mg pro Tag
Formen
Tabletten, Kautabletten, Brausetabletten, Kapseln
Wer profitiert
Wer kaum Milchprodukte isst, etwa bei veganer Ernährung; bei Osteoporose nach ärztlicher Verordnung

Die meisten Menschen brauchen kein Calcium-Präparat. Der Bedarf lässt sich mit Milchprodukten, Mineralwasser und grünem Gemüse gut decken. Calciumtabletten schützen nach heutiger Studienlage kaum vor Knochenbrüchen, und viele Produkte liegen über der Höchstmenge, die das BfR für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt.

Was ist Calcium und wofür braucht der Körper es?

Calcium ist ein Mineralstoff und laut DGE ein Baustein von Knochen und Zähnen. Außerdem braucht der Körper Calcium für Nerven, Muskeln, die Blutgerinnung und stabile Zellwände.

Nimmst du zu wenig Calcium auf, holt sich der Körper das Fehlende aus den Knochen. Über Jahre sinkt so die Knochenmasse. Die DGE nennt die Calciumversorgung neben Bewegung und Vitamin D einen wichtigen Faktor für die Entstehung von Osteoporose.

Ohne Vitamin D funktioniert das nicht gut. Vitamin D fördert die Aufnahme von Calcium aus dem Darm und seinen Einbau in die Knochen. Bei Vitamin-D-Mangel nimmt der Körper laut DGE weniger Calcium auf. Mehr dazu im Artikel Vitamin D.

Wie viel Calcium braucht man am Tag?

Die DGE empfiehlt Erwachsenen 1.000 mg Calcium pro Tag. Jugendliche brauchen in der Wachstumsphase mehr:

Gruppe Calcium pro Tag
Kinder 7 bis unter 10 Jahre 900 mg
Kinder 10 bis unter 13 Jahre 1.100 mg
Jugendliche 13 bis unter 19 Jahre 1.200 mg
Erwachsene ab 19 Jahren 1.000 mg
Schwangere und Stillende 1.000 mg
Schwangere und Stillende unter 19 Jahren 1.200 mg

Laut Nationaler Verzehrsstudie II nehmen Männer im Mittel 807 mg und Frauen 738 mg pro Tag auf. Das liegt unter der Empfehlung. Die DGE betont aber: Wer weniger als die Empfehlung aufnimmt, hat nicht automatisch einen Mangel.

Die EFSA hält bis zu 2.500 mg pro Tag aus allen Quellen für Erwachsene für unbedenklich. Mit normalen Lebensmitteln erreichst du diese Menge laut DGE kaum.

Lebensmittel mit viel Calcium

Welche Calcium-Lebensmittel liefern am meisten? Die Calcium-Lebensmittel-Tabelle zeigt es. Die besten Quellen sind Milch und Milchprodukte, vor allem Hartkäse. Die Werte pro 100 g stammen aus unserer Nährwertdatenbank (BLS 4.0):

Lebensmittel Calcium pro 100 g
Parmesan 1.176 mg
Emmentaler 1.159 mg
Gouda 863 mg
Chiasamen 583 mg
Rucola 216 mg
Tofu, natur 185 mg
Milch, 3,5 % Fett 117 mg
Naturjoghurt, 1,5 % Fett 114 mg

Ein Viertelliter Milch und zwei Scheiben Emmentaler decken laut DGE schon den Tagesbedarf. Eine wichtige Quelle ist auch Mineralwasser. Als calciumreich gilt Wasser mit mehr als 150 mg pro Liter. Den Gehalt findest du auf dem Etikett.

Aus Spinat nimmt der Körper Calcium nur schlecht auf. Oxalsäure bindet es: Laut NIH werden aus Spinat etwa 5 % aufgenommen, aus Milch etwa 27 %. Weitere Lebensmittel findest du in der Rangliste calciumreiche Lebensmittel.

Wer braucht Calcium als Nahrungsergänzung?

Gesunde Erwachsene, die regelmäßig Milchprodukte essen, brauchen in der Regel kein Präparat. Genauer hinschauen sollten:

Nicht nötig ist ein Präparat in der Schwangerschaft und Stillzeit, solange die Ernährung stimmt. Die DGE empfiehlt hier keine höhere Menge als sonst.

Calciummangel: Ursachen und Folgen

Was passiert bei Calcium-Mangel? Weil der Körper den Calciumspiegel im Blut sehr eng regelt, fällt ein Mangel in der Ernährung im Blutwert lange nicht auf. Stattdessen holt sich der Körper das fehlende Calcium aus den Knochen; auf Dauer werden sie instabil, wie die Apotheken Umschau beschreibt. Ein zu niedriger Calciumspiegel im Blut (Hypokalzämie) hat meist andere Ursachen:

Den höchsten Bedarf haben Jugendliche im Wachstum. Ob ein Präparat nötig ist, sollte die Ärztin oder der Arzt klären; Calcium-Präparate ohne ärztlichen Rat sind laut Apotheken Umschau nicht zu empfehlen. Bei Osteoporose gehören ausreichend Calcium und Vitamin D zur Basistherapie.

Was sagt die Studienlage zu Calcium?

Knochenbrüche

Der häufigste Grund für Calciumtabletten ist der Schutz vor Knochenbrüchen. Die Studien dazu sind ernüchternd. Eine Übersichtsarbeit von Bolland und Kollegen (2015) wertete 26 Studien mit gut 69.000 Menschen über 50 Jahren aus. Calciumpräparate senkten das Risiko für Knochenbrüche insgesamt um etwa 11 %. Auf Hüftbrüche hatten sie keinen messbaren Einfluss. In den vier verlässlichsten Studien mit rund 44.500 Teilnehmenden zeigte sich bei keiner Bruchart ein Nutzen. Die Autoren raten, Calcium nicht zur Vorbeugung von Brüchen zu empfehlen. Auch mehr Calcium aus der Nahrung hing in Beobachtungsstudien meist nicht mit weniger Brüchen zusammen.

Etwas anders sieht es bei der Kombination mit Vitamin D aus. Ein Cochrane-Review (Avenell 2014) fand: Vitamin D allein verhindert wahrscheinlich keine Brüche. Vitamin D plus Calcium senkt das Risiko für Hüftbrüche leicht. Bei Menschen, die zu Hause leben, verhindert das etwa 1 Hüftbruch pro 1.000 Personen und Jahr. In Pflegeheimen sind es etwa 9. Gleichzeitig traten erhöhtes Blutcalcium, Magen-Darm-Beschwerden und Nierenerkrankungen etwas häufiger auf.

Herz und Gefäße

Ob Calciumtabletten dem Herzen schaden, ist umstritten. Eine Metaanalyse von Bolland und Kollegen (2010) fand unter Calcium ohne Vitamin D ein um etwa 27 bis 31 % höheres Herzinfarktrisiko. Andere Studien fanden keinen solchen Zusammenhang. Ein Expertengremium kam laut NIH zu dem Schluss, dass Calcium aus Nahrung oder Präparaten das Herz-Kreislauf-Risiko weder erhöht noch senkt, solange die Obergrenze nicht überschritten wird. Eine sichere Entwarnung ist das nicht. Calcium aus Lebensmitteln gilt in dieser Debatte nicht als Problem.

Nierensteine und Nebenwirkungen

In der großen WHI-Studie traten unter 1.000 mg Calcium pro Tag als Präparat über sieben Jahre mehr Nierensteine auf. Zwei spätere Übersichtsarbeiten fanden diesen Zusammenhang laut NIH nicht. Häufige Nebenwirkungen sind Blähungen und Verstopfung, besonders bei Calciumcarbonat.

Worauf solltest du beim Kauf achten?

Ob Calcium-Tabletten, Brausetabletten oder Sticks – für alle Formen gelten dieselben Punkte.

Dosis: Das BfR empfiehlt höchstens 500 mg Calcium pro Tagesportion eines Nahrungsergänzungsmittels. Ab 250 mg soll die Packung darauf hinweisen, kein weiteres calciumhaltiges Präparat zu nehmen. Alle Produkte in unserer Tabelle liegen mit 660 bis 1.000 mg darüber. Da du über die Nahrung meist schon 700 bis 800 mg aufnimmst, reicht oft eine kleine Ergänzung.

Einzeldosis: Laut NIH nimmt der Körper Calcium am besten in Einzeldosen bis etwa 500 mg auf. Von 300 mg werden etwa 36 % aufgenommen, von 1.000 mg nur etwa 28 %. Verteile größere Mengen deshalb über den Tag.

Verbindungen: Calciumcarbonat enthält etwa 40 % Calcium und braucht Magensäure. Nimm es zu einer Mahlzeit. Calciumcitrat enthält etwa 21 % Calcium und wird auch ohne Essen gut aufgenommen. Algenkalk ist laut Hersteller ebenfalls Calciumcarbonat. Dass Algen- oder Korallencalcium gesünder ist, ist nicht belegt.

Kombipräparate: Viele Produkte enthalten Vitamin D3, manche auch Magnesium oder Vitamin K. Prüfe, ob du Vitamin D schon aus einem anderen Präparat nimmst. Mehr zu Magnesium und weiteren Wirkstoffen findest du auf der Seite Nahrungsergänzung.

Abstand zu Medikamenten: Calcium stört die Aufnahme vieler Arzneimittel und auch von Eisen und Zink. Halte laut Packungsbeilage mindestens 2 Stunden Abstand.

Calcium-Präparate im Überblick

Dosis laut Hersteller pro empfohlener Tagesportion, im Verhältnis zur Höchstmenge des BfR (500 mg). Die Auswahl ist keine Empfehlung; maßgeblich ist die Packungsangabe.

ProduktFormDosis pro TagBfR-HöchstmengePackung und PreisHerstellerangabe
Mivolis (dm) Calcium Brausetabletten – Calciumcarbonat; mit Süßungsmitteln Brausetablette 400 mg (1 Brausetablette) 80 % 20 St: 0,50 € Stand 18.10.2026
EAN 4066447833065
Doppelherz Calcium 700 + D3 – Calciumcarbonat, mit 5 µg Vitamin D3; nicht für Kinder unter 12 Jahren
nicht für Kinder
Tablette 700 mg (1 Tablette) 140 %
über dem Vorschlag
80 St: 9,69 €
160 St: 18,69 €
30 St: 4,19 €
Stand 18.10.2026
EAN 4009932001471
Doppelherz aktiv Calcium + D3 – Calciumcarbonat, mit 5 µg Vitamin D3 Tablette 900 mg (1 Tablette) 180 %
über dem Vorschlag
80 St: 12,29 €
160 St: 23,69 €
Stand 18.10.2026
EAN 4009932131857
Abtei Calcium 1000 + D3 Osteo Vital – Calciumcarbonat, mit 20 µg Vitamin D3 Kautablette 1.000 mg (1 Kautablette) 200 %
über dem Vorschlag
30 St: 5,19 €
60 St: 9,99 €
Stand 18.10.2026
EAN 4026600533614
Sunday Natural Phytocalcium 250 mg aus Rotalgen – Rotalgenkalk; laut Hersteller nicht für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen (schwankender Jodgehalt) Kapsel 1.000 mg (4 Kapseln) 200 %
über dem Vorschlag
–: 16,90 € Stand 18.10.2026
EAN 4260461116566
Natural Pro Calcium – Rotalgenpulver; in Schwangerschaft und Stillzeit vorher ärztlich abklären Kapsel 690 mg (3 Kapseln) 138 %
über dem Vorschlag
60 St: 24,90 € Stand 18.10.2026
EAN 9120102606496
naturafit Calcium 300 natürlich – Korallencalcium Kapsel 900 mg (3 Kapseln) 180 %
über dem Vorschlag
2x60 St: 50,99 €
60 St: 26,49 €
Stand 18.10.2026
PZN 08130686
Nature Love Sango Meereskoralle – mit 330 mg Magnesium; laut Hersteller nicht für Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche
nicht für Schwangere, Stillende, Kinder, Jugendliche
Kapsel 660 mg (3 Kapseln) 132 %
über dem Vorschlag
109 g: 26,99 € Stand 18.10.2026
EAN 4260488130118
SilaVit (Müller) Calcium + D3 Tabletten – Müller-Eigenmarke; mit 3,4 µg Vitamin D Tablette 534 mg (2 Tabletten) 107 %
über dem Vorschlag
240 g: 2,95 € Stand 19.10.2026
EAN 4053776018263
SilaVit (Müller) Brausetablette Calcium 1000 – Müller-Eigenmarke Brausetablette 1.000 mg (1 Brausetablette) 200 %
über dem Vorschlag
93 g: 1,45 € Stand 19.10.2026
EAN 4053776017600

„nicht für …“ und „für …“ geben die Hinweise des Herstellers auf der verlinkten Produktseite wieder.

Die BfR-Höchstmengen sind Vorschläge; verbindliche EU-Höchstmengen gibt es bisher nicht. Preise vom Tag „Stand“ auf der verlinkten Seite, ohne Versand und Aktionen; weitere Packungsgrößen darunter.

Schwangerschaft, Stillzeit und besondere Gruppen

Schwangerschaft
Die DGE empfiehlt Schwangeren dieselben 1.000 mg Calcium pro Tag wie anderen Erwachsenen, unter 19 Jahren 1.200 mg. Ein Mehrbedarf, der ein Präparat nötig macht, ergibt sich daraus nicht. Milchprodukte, calciumreiches Mineralwasser und grünes Gemüse decken den Bedarf meist. Quelle
Stillzeit
Auch in der Stillzeit liegt die DGE-Empfehlung bei 1.000 mg pro Tag, für Stillende unter 19 Jahren bei 1.200 mg. Ein Präparat ist nur sinnvoll, wenn die Ernährung den Bedarf nicht deckt, zum Beispiel ohne Milchprodukte. Quelle
Vegane Ernährung
Die DGE zählt Calcium bei veganer Ernährung zu den potenziell kritischen Nährstoffen. Es soll über eine gezielte Lebensmittelauswahl kommen, wenn nötig auch über angereicherte Lebensmittel oder Präparate. Es gibt Hinweise auf eine schlechtere Knochengesundheit bei veganer Ernährung. Quelle
Ältere Menschen
Bei älteren Menschen senkt Calcium zusammen mit Vitamin D das Risiko für Hüftbrüche leicht. Der Nutzen war laut Cochrane in Pflegeheimen deutlich größer als bei Menschen, die zu Hause leben. Ob ein Präparat sinnvoll ist, klärst du am besten ärztlich. Quelle

Was Fachleute in TV-Beiträgen sagen

Aussagen sinngemäß aus den Untertiteln der Beiträge zusammengefasst. Ergebnisse einzelner Testpersonen sind nicht übertragbar.

Vorsicht bei Medikamenten und Erkrankungen

Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine abwechslungsreiche Ernährung. Bei Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, sprich die Einnahme vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Häufige Fragen

Wie viel Calcium braucht man am Tag?

Die DGE empfiehlt Erwachsenen 1.000 mg pro Tag. Jugendliche von 13 bis 18 Jahren sollen 1.200 mg aufnehmen.

Wie viel Calcium am Tag ist zu viel?

Die EFSA setzt die Obergrenze für Erwachsene bei 2.500 mg pro Tag aus allen Quellen. Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das BfR höchstens 500 mg pro Tagesportion.

Schützen Calciumtabletten vor Knochenbrüchen?

Kaum. Calcium allein senkt das Risiko höchstens wenig, in den besten Studien gar nicht. Zusammen mit Vitamin D sinkt das Risiko für Hüftbrüche leicht, vor allem bei Menschen in Pflegeheimen.

Sollte man Calcium mit Vitamin D kombinieren?

Vitamin D fördert die Aufnahme von Calcium aus dem Darm. In Studien zu Knochenbrüchen zeigte nur die Kombination einen kleinen Nutzen, Vitamin D allein nicht.

Wo bekommen Veganer Calcium her?

Aus calciumreichem Mineralwasser, mit Calcium angereicherten Pflanzendrinks, Tofu, grünem Gemüse wie Grünkohl, Brokkoli und Rucola sowie aus Samen und Nüssen.

Macht Calcium Nierensteine?

Dauerhaft zu viel Calcium kann Nierensteine begünstigen. In einer großen Studie traten unter 1.000 mg Calcium täglich als Präparat mehr Nierensteine auf. Calcium aus Lebensmitteln gilt nicht als Problem.

Quellen

  1. DGE: Referenzwert Calcium
  2. DGE: Ausgewählte Fragen und Antworten zu Calcium (2013)
  3. BfR: Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe (2021)
  4. EFSA: Overview on Tolerable Upper Intake Levels (2024)
  5. Bolland MJ et al.: Calcium intake and risk of fracture. BMJ 2015;351:h4580
  6. Avenell A et al.: Vitamin D and vitamin D analogues for preventing fractures. Cochrane Review 2014
  7. Bolland MJ et al.: Effect of calcium supplements on risk of myocardial infarction. BMJ 2010;341:c3691
  8. NIH Office of Dietary Supplements: Calcium – Fact Sheet for Health Professionals
  9. Gebrauchsinformation Calcium-dura Vit D3 Brause 600 mg/400 I.E. (Wechselwirkungen)
  10. DGE: Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung. Ernährungs Umschau 7/2024
  11. Apotheken Umschau: Calcium – wichtiger Mineralstoff für Knochen und Körper (aktualisiert 23.04.2026)