Purine und Gicht: Ernährung, Tabelle & Harnsäure
Bei Gicht hilft eine purinarme Ernährung mit wenig Fleisch, Fisch und Alkohol. Die DEBInet-Patienteninformation nennt höchstens 500 mg Harnsäure am Tag. Innereien sollten gemieden werden, Bier und zuckerhaltige Getränke erhöhen das Risiko. Purinreiche Gemüse und Hülsenfrüchte zeigten laut gesund.bund.de keinen Einfluss.
Was sind Purine und was ist Gicht?
Purine stecken in vielen Lebensmitteln und werden im Körper zu Harnsäure abgebaut. Von einem erhöhten Harnsäurewert spricht man laut gesund.bund.de ab 6,8 mg/dl.
- Häufigkeit: Etwa 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung haben Gicht. Männer erkranken etwa fünfmal so häufig wie Frauen, meist ab etwa 40 Jahren.
- Ursache: Meist scheiden die Nieren zu wenig Harnsäure aus, seltener bildet der Körper zu viel.
- Nicht jeder: Nur etwa ein Drittel der Menschen mit erhöhtem Harnsäurespiegel bekommt Gicht.
Wie viel Purin am Tag?
Die DEBInet-Patienteninformation empfiehlt:
- höchstens 500 mg Harnsäure am Tag oder 3.000 mg pro Woche
- Fleisch, Wurst oder Fisch höchstens einmal täglich in 100 bis 150 g, insgesamt nicht mehr als 300 g pro Woche
- Innereien wie Leber, Niere und Herz meiden
Purin-Tabelle
Harnsäure pro Portion laut DEBInet:
| Lebensmittel | Portion | Harnsäure |
|---|---|---|
| Rinderleber | 100 g | 554 mg |
| Forelle | 150 g | 300 mg |
| Brathähnchen | 100 g | 174 mg |
| Bier, alkoholfrei oder Bier | 500 ml | ca. 100 mg |
| Kochschinken | 50 g | 65 mg |
| Linsen, gekocht | 100 g | 58 mg |
| Rosenkohl | 100 g | 54 mg |
Schon eine Portion Rinderleber liegt damit über dem Tageswert von 500 mg.
Was das Gichtrisiko beeinflusst
Laut gesund.bund.de:
| Faktor | Einfluss |
|---|---|
| Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte | größere Mengen erhöhen das Risiko leicht |
| Purinreiche pflanzliche Lebensmittel | in Studien kein Einfluss |
| Bier und hochprozentiger Alkohol | begünstigen Gicht |
| Wein in Maßen | scheint keinen Einfluss zu haben |
| Cola, möglicherweise Fruchtsäfte | erhöhen das Risiko leicht |
| Mit Süßstoff gesüßte Getränke | eher kein Einfluss |
| Übergewicht | Risiko steigt mit dem BMI |
Alkohol
Zu viel Alkohol ist laut DEBInet ein häufiger Auslöser von Gichtanfällen, weil er die Ausscheidung von Harnsäure hemmt. Besonders ungünstig ist Alkohol zusammen mit sehr fettreichem Essen. Wie eine Alkoholpause wirkt, steht im Ratgeber Dry January.
Fruktose und Zucker
Viel Fruktose, mehr als 50 g am Tag, sowie Xylit, Sorbit und Haushaltszucker steigern laut DEBInet die Harnsäurebildung. Süßigkeiten und fruktosehaltige Getränke sollten begrenzt werden, Obst ist ohne Einschränkung erlaubt. Die Unterschiede zwischen den Zuckern erklärt der Ratgeber Zuckerarten, zuckerhaltige Getränke wie Cola zeigt die Lebensmittelseite.
Trinken
DEBInet empfiehlt bis zu 3 Liter am Tag, am besten Wasser oder ungesüßten Tee. Mineralwasser mit viel Hydrogencarbonat oder etwas Zitronensaft kann helfen, den Urin weniger sauer zu machen. Wie viel du allgemein trinken solltest, steht im Ratgeber Wie viel Wasser trinken?
Abnehmen statt Fasten
Übergewicht erhöht das Gichtrisiko. Beim Fasten oder schnellen, starken Abnehmen entstehen laut DEBInet aber Ketonkörper, die die Harnsäureausscheidung hemmen. Abnehmen sollte deshalb langsam und mit genug Flüssigkeit erfolgen. Ein moderates Defizit plant der Kaloriendefizit-Rechner.
Behandlung
Bei einem akuten Anfall helfen laut gesund.bund.de entzündungshemmende Schmerzmittel und Kortison, Kühlen ist vermutlich hilfreich. Langfristig kommen neben der Ernährung harnsäuresenkende Medikamente infrage, meist Allopurinol, vor allem bei häufigen Anfällen, Gichtknoten, Nierensteinen oder eingeschränkter Nierenfunktion. Die US-Leitlinie empfiehlt dabei einen Harnsäure-Zielwert unter 6 mg/dl (FitzGerald 2020). Auch manche Medikamente wie Diuretika und ASS können den Harnsäurespiegel erhöhen.
Was die Rheuma-Liga allgemein zur Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen sagt, steht im Ratgeber Ernährung bei Rheuma.
Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Gicht wende dich an deine Hausarztpraxis.
Fazit
Bei Gicht zählen vor allem weniger Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und Innereien, wenig Bier und Schnaps und wenig zuckerhaltige Getränke. Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst sind erlaubt. Langsam abnehmen hilft, Fasten schadet. Reicht die Ernährung nicht, senken Medikamente die Harnsäure.
Häufige Fragen
Was sind Purine?
Purine stecken in vielen Lebensmitteln, der Körper baut sie zu Harnsäure ab. Viel davon enthalten laut gesund.bund.de Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte.
Wie viel Purin am Tag bei Gicht?
Die Patienteninformation von DEBInet nennt höchstens 500 mg Harnsäure am Tag oder 3.000 mg pro Woche. Fleisch, Wurst oder Fisch höchstens einmal täglich in 100 bis 150 g, insgesamt nicht mehr als 300 g pro Woche.
Welche Lebensmittel sind bei Gicht verboten?
Verboten ist kein Lebensmittel. Innereien wie Leber, Niere und Herz sollen laut DEBInet gemieden werden. Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Bier, hochprozentiger Alkohol und zuckerhaltige Getränke wie Cola erhöhen das Risiko laut gesund.bund.de.
Ist alkoholfreies Bier bei Gicht erlaubt?
Nur begrenzt. Alkoholfreies Bier enthält laut DEBInet etwa so viele Purine wie normales Bier, rund 100 mg pro 500 ml.
Sind Hülsenfrüchte bei Gicht schlecht?
Eher nicht. Purinreiche pflanzliche Lebensmittel zeigten laut gesund.bund.de in Studien keinen Einfluss auf das Gichtrisiko. 100 g gekochte Linsen liefern laut DEBInet 58 mg Harnsäure.
Ab welchem Harnsäurewert spricht man von erhöhter Harnsäure?
Ab 6,8 mg/dl laut gesund.bund.de. Nur etwa ein Drittel der Menschen mit erhöhtem Wert bekommt Gicht. Bei harnsäuresenkender Therapie empfiehlt die US-Leitlinie einen Zielwert unter 6 mg/dl.
Darf man bei Gicht fasten?
Nein. Beim Fasten oder schnellem Abnehmen entstehen laut DEBInet Ketonkörper, die die Harnsäureausscheidung hemmen. Abnehmen sollte langsam und mit ausreichend Flüssigkeit erfolgen.
Quellen
- gesund.bund.de (Stand 16.12.2022): Gicht
- DEBInet / ernaehrung.de (11/2025): Patienteninformation Gicht und Hyperurikämie
- FitzGerald JD et al. (2020): 2020 American College of Rheumatology Guideline for the Management of Gout. Arthritis Care Res 72(6):744-760
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen