Wasserfasten: Ablauf, Dauer, Risiken & Faktencheck

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Prinzip
Mehrere Tage gar keine Nahrung und keine Kalorien – nur Wasser, idealerweise ärztlich begleitet
Kohlenhydrate pro Tag
0 g an Fastentagen
Dauer
Ohne Klinik höchstens etwa 1 Woche, in Studien 5–20 Tage
Schwangerschaft/Stillzeit
nicht geeignet / nicht geeignet
Kategorie
Fasten
Einschätzung
1,4 von 5

Beim Wasserfasten isst du mehrere Tage gar nichts und trinkst nur Wasser – es ist die strengste Form des Fastens, ganz ohne Kalorien. Gewicht und Blutdruck sinken dabei schnell, doch ein großer Teil des Verlusts ist fettfreie Masse, und die Effekte auf den Stoffwechsel halten laut Studien nur wenige Monate. Über wenige Tage hinaus gehört Wasserfasten in ärztliche Hände.

Was ist Wasserfasten?

Wasserfasten bedeutet: keine feste Nahrung, keine Säfte, keine Brühe – nur Wasser. Die Verbraucherzentrale spricht von totalem Fasten, bei dem nur energiefreie Getränke erlaubt sind. Sie bewertet es als weniger verträglich als andere Fastenformen und mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden.

Vom Heilfasten unterscheidet es sich in einem entscheidenden Punkt: Beim Buchinger-Fasten bekommt der Körper laut DGE eine kleine Menge Energie, nämlich Gemüsebrühe, Saft und Honig mit zusammen etwa 250 bis 500 Kilokalorien am Tag. Beim Wasserfasten sind es null. Die frühere „Nulldiät“, bei der Menschen wochen- oder monatelang gar nichts aßen, wird laut der Leitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung seit den 1970er-Jahren nicht mehr praktiziert.

Mit Intervallfasten hat Wasserfasten wenig gemeinsam: Dort wechseln sich Essens- und Fastenzeiten innerhalb eines Tages oder einer Woche ab.

So funktioniert Wasserfasten

Ein festes, offizielles Protokoll gibt es nicht. Studien und Fastenratgeber folgen meist diesem Muster:

  1. Vorbereitung: Ein oder mehrere leichte Entlastungstage mit wenig Essen erleichtern den Einstieg. Vorher klärst du ärztlich, ob du fasten darfst und welche Medikamente angepasst werden müssen.
  2. Fastentage: nur energiefreie Getränke. Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett: 0 Gramm (Details im nächsten Abschnitt).
  3. Fastenbrechen und Aufbau: Danach steigerst du die Nahrungsmenge langsam. Die Fasten-Leitlinie empfiehlt nach dem Fasten leichte, ballaststoffreiche vegetarische Kost, beginnend mit etwa 800 und dann 1.000 Kilokalorien am Tag.

Die Verbraucherzentrale rät, beim totalen Fasten nicht länger als etwa eine Woche zu fasten. In den Studien dauerte Wasserfasten 5 bis 20 Tage – stets unter medizinischer Aufsicht.

Was darf man beim Wasserfasten trinken?

Nur energiefreie Getränke: Mineralwasser oder Leitungswasser, viele trinken zusätzlich ungesüßten Kräutertee. Saft, Gemüsebrühe, Milch im Kaffee oder Honig gehören zum Heilfasten, nicht zum Wasserfasten. Weil Natrium und Chlorid bei längerem Wasserfasten absinken können (siehe Risiken unten), erwägen Fachleute unter ärztlicher Aufsicht Kochsalzgaben – Mineralwasser mit Natrium ist dabei keine Ersatzmaßnahme ohne Rücksprache.

Beispieltag beim Wasserfasten

Einen festen Plan gibt es nicht. Ein typischer Fastentag sieht in Studien und Fastenkliniken so aus:

Zeit Ablauf
Morgens Wasser oder Kräutertee, ruhige Bewegung wie ein Spaziergang
Vormittags regelmäßig kleine Mengen Wasser trinken
Mittags Kräutertee statt Mahlzeit, Ruhepause
Nachmittags Wasser, leichte Bewegung – die Fasten-Leitlinie empfiehlt tägliche Bewegung gegen Eiweißabbau
Abends Wasser oder Tee, früh schlafen; bei Schwindel oder Herzklopfen ärztlich abklären

Gegessen wird an diesem Tag nichts: 0 kcal, 0 g Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett. Beim Fastenbrechen kommen zum Beispiel 150 g Apfel (17,6 g Kohlenhydrate, 87 kcal) und abends 300 g Kartoffelsuppe (27 g Kohlenhydrate, 171 kcal) auf den Tisch (Werte aus unserer Nährwertdatenbank). Bei längerem Fasten gehören ärztliche Kontrollen von Blutdruck und Blutsalzen dazu.

Was sagt die Studienlage zum Wasserfasten?

Die wichtigste Übersicht stammt von Ezpeleta und Kolleg:innen (2024). Sie werteten acht meist kleine Studien zu Wasser- und Buchinger-Fasten aus, die meisten ohne Kontrollgruppe.

Faktencheck: „Wasserfasten – Diabetes in 14 Tagen besiegen“?

Anfang 2026 erschien bei DuMont das Buch „Wasserfasten“ von Prof. Dr. Peter Schwarz, Diabetologe an der TU Dresden, der 2022 zum künftigen Präsidenten der International Diabetes Federation (IDF) gewählt wurde. Der Untertitel verspricht, Diabetes und andere entzündliche Krankheiten in nur 14 Tagen zu besiegen. Laut Verlagstext reduziert Wasserfasten das Leberfett stark bis vollständig, ein Empfehlungstext von Prof. Andreas Michalsen stellt in Aussicht, dass Menschen mit langjährigem Diabetes oder Bluthochdruck wieder gesund werden.

Unsere Einordnung:

Wer Diabetes hat, sollte Wasserfasten deshalb nie auf eigene Faust beginnen, sondern nur mit seiner Diabetologin oder seinem Diabetologen.

Vor- und Nachteile von Wasserfasten

Vorteile:

Nachteile:

Risiken: Elektrolyte, Refeeding, Gallensteine, Muskelabbau

Für wen eignet sich Wasserfasten?

Wenn überhaupt, für gesunde Erwachsene, die es über wenige Tage und nach ärztlicher Rücksprache ausprobieren. Die Verbraucherzentrale empfiehlt ärztliche Begleitung besonders, wenn du regelmäßig Medikamente nimmst oder Insulin spritzt. Die DGE rät beim Fasten generell zu ärztlicher Betreuung, am besten in der Gruppe.

Nicht fasten solltest du laut Fasten-Leitlinie bei Schwangerschaft und Stillzeit, Essstörungen, starker Auszehrung, unbehandelter Schilddrüsenüberfunktion sowie fortgeschrittener Leber- oder Nierenschwäche.

Wer abnehmen will, fährt mit einem moderaten Kaloriendefizit und einer alltagstauglichen Ernährung meist besser. Eine mildere Fastenform mit etwas Energie ist das Scheinfasten. Weitere Ansätze findest du in unserer Diät-Übersicht.

Vorsicht bei Medikamenten und Erkrankungen

Nimmst du Medikamente oder hast eine Erkrankung, sprich die Umstellung vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft und Stillzeit sind laut Fasten-Leitlinie Gegenanzeigen für das Fasten – Wasserfasten ohne jede Energiezufuhr ist die strengste Form. Bei Kinderwunsch ist es ebenfalls ungünstig: Eine Schwangerschaft kann bestehen, bevor du davon weißt, und Folsäure und Jod sind ab jetzt wichtig. Iss stattdessen ausgewogen. Quelle

Mehr dazu: Nahrungsergänzung in Schwangerschaft und Stillzeit.

Wasserfasten im Vergleich

DiätPrinzipKohlenhydrate pro TagEinschätzung
WasserfastenMehrere Tage gar keine Nahrung und keine Kalorien – nur Wasser, idealerweise ärztlich begleitet0 g an Fastentagen1,4 von 5
HeilfastenMehrere Tage ohne feste Nahrung – nur Brühe, Saft, Honig, Tee und Wasser mit 250–500 kcal pro TagEtwa 25–45 g pro Fastentag2,0 von 5
IntervallfastenFeste Essens- und Fastenzeiten statt Kalorienzählen – z. B. 8 Stunden essen, 16 Stunden PauseKeine Vorgabe, meist normale Mischkost3,6 von 5
BasenfastenFür einige Tage nur „basische“ Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Kräuter – „Säurebildner“ fallen wegKeine Vorgabe, im Beispieltag rund 110 g1,6 von 5

Alle Diäten mit Bewertung: Diäten im Überblick.

Fachliche Einschätzung: Wasserfasten

KriteriumBewertung
Abnehmerfolg 2 von 5
Alltagstauglichkeit 1 von 5
Nährstoffversorgung 1 von 5
Studienlage 2 von 5
Langfristig durchhaltbar 1 von 5
Gesamt1,4 von 5

Wasserfasten senkt Gewicht und Blutdruck rasch, doch in kleinen Studien bestand etwa zwei Drittel des Verlusts aus fettfreier Masse, und die Stoffwechseleffekte waren nach drei bis vier Monaten verschwunden. Randomisierte Langzeitstudien fehlen. Stärke: unter ärztlicher Aufsicht in Studien meist nur leichte Nebenwirkungen. Schwäche: keine Nährstoffzufuhr, Elektrolytstörungen und Unterzuckerung unter Diabetes-Medikamenten möglich; für Heilversprechen wie Diabetes in 14 Tagen gibt es keine Belege.

Einschätzung der Redaktion auf Grundlage der genannten Studien und Leitlinien (1 = schwach, 5 = sehr gut). Gleiche Kriterien für alle Diäten: so bewerten wir.

Erfahrungen mit Wasserfasten

Noch keine Erfahrungsberichte. Hast du Erfahrung mit Wasserfasten? Erzähl, was funktioniert hat und was nicht – das hilft anderen bei der Entscheidung.

Erfahrungsberichte sind persönliche Eindrücke einzelner Menschen, keine Studienergebnisse und keine Empfehlung. Wir lesen jeden Bericht vor der Veröffentlichung, können aber nicht überprüfen, ob die Person die Diät tatsächlich gemacht hat. Berichte werden weder bezahlt noch nach Ergebnis ausgewählt.

Häufige Fragen

Wie lange sollte man Wasserfasten?

Ohne ärztliche Begleitung nicht länger als etwa eine Woche – so rät die Verbraucherzentrale für totales Fasten mit nur energiefreien Getränken. In Studien dauerte Wasserfasten 5 bis 20 Tage, dann aber unter medizinischer Aufsicht.

Wie viel nimmt man beim Wasserfasten ab?

In Studien sanken 2 bis 10 Prozent des Körpergewichts, nach 5 Tagen etwa 4 bis 6 Prozent. Ein großer Teil ist Wasser und fettfreie Masse, und nach normalem Essen kam das Gewicht in einer Studie innerhalb von drei Monaten vollständig zurück.

Ist Wasserfasten gefährlich?

Unter ärztlicher Aufsicht traten in Studien meist nur leichte Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Hunger auf. Riskant wird es mit Diabetes-Medikamenten, Blutdruckmitteln, Untergewicht oder Vorerkrankungen – dann drohen Unterzuckerung, Kreislaufprobleme und Elektrolytstörungen.

Was ist der Unterschied zwischen Wasserfasten und Heilfasten?

Beim Wasserfasten gibt es gar keine Kalorien. Beim Heilfasten nach Buchinger kommen täglich Gemüsebrühe, Saft und Honig mit zusammen etwa 250 bis 500 Kilokalorien hinzu, dazu ein festgelegter Aufbau.

Kann Wasserfasten Diabetes heilen?

Dafür gibt es keine belastbaren Belege. In Studien verschwanden die Verbesserungen bei Blutzucker und Insulin drei bis vier Monate nach dem Fasten wieder. Wer Insulin oder Sulfonylharnstoffe nimmt, riskiert beim Fasten ohne ärztliche Anpassung eine Unterzuckerung.

Quellen

  1. Ezpeleta M et al. (2024): Efficacy and safety of prolonged water fasting: a narrative review of human trials. Nutrition Reviews 82(5):664–675, doi:10.1093/nutrit/nuad081
  2. Finnell JS et al. (2018): Is fasting safe? A chart review of adverse events during medically supervised, water-only fasting. BMC Complement Altern Med 18:67, doi:10.1186/s12906-018-2136-6
  3. Wilhelmi de Toledo F et al. (2013): Fasting Therapy – an Expert Panel Update of the 2002 Consensus Guidelines. Forsch Komplementmed 20(6):434–443, doi:10.1159/000357602
  4. Verbraucherzentrale: Richtig fasten – Tipps zum Wohlfühlen und Durchhalten in der Fastenzeit
  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Heilfasten
  6. Grajower MM, Horne BD (2019): Clinical Management of Intermittent Fasting in Patients with Diabetes Mellitus. Nutrients 11(4):873, doi:10.3390/nu11040873
  7. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) (2023): Ketoazidose unter SGLT-2-Inhibitoren. Arzneiverordnung in der Praxis 1/2023
  8. Wirth R et al. (2018): Refeeding-Syndrom. Der Internist 59:326–333, doi:10.1007/s00108-018-0399-0
  9. NIDDK (National Institutes of Health): Eating, Diet, & Nutrition for Gallstones
  10. DuMont Buchverlag via Lesejury: Peter Schwarz – Wasserfasten (2026), Verlagsangaben
  11. Apotheken Umschau: Fasten – Wie Menschen mit Diabetes profitieren

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Ob dein Gewicht im Normalbereich liegt, zeigt der BMI-Rechner; wie viel Energie du brauchst, der Rechner für Kohlenhydrate pro Tag.

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