Ist Obst wegen Fruchtzucker ungesund?

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Nein, ganzes Obst ist für die meisten Menschen nicht wegen seines Fruchtzuckers ungesund. Die WHO zählt Zucker aus frischem Obst nicht zu den „freien Zuckern“, die sie begrenzen will, und große Studien verbinden mehr Obst mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Anders sieht es bei Säften und gesüßten Getränken aus.

Freie Zucker vs. Zucker im Obst

Die WHO unterscheidet zwei Arten von Zucker. Freie Zucker sind Einfach- und Zweifachzucker wie Haushaltszucker, Glukose oder Fruktose, die Hersteller, Köche oder du selbst Lebensmitteln zusetzen. Dazu kommen Zucker, die natürlich in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Saftkonzentraten stecken.

Die WHO-Leitlinie von 2015 empfiehlt, freie Zucker auf unter 10 % der täglichen Energie zu senken. Unter 5 %, also etwa 25 Gramm oder 6 Teelöffel pro Tag, bringt laut WHO zusätzlichen Nutzen. Diese strengere Grenze ist eine bedingte Empfehlung.

Wichtig: Die Leitlinie bezieht sich laut WHO nicht auf Zucker in frischem Obst und Gemüse und nicht auf den natürlichen Milchzucker. Für diese Zucker gibt es laut WHO keine berichteten Belege für schädliche Wirkungen. Diesen Zucker nennt man oft intrinsisch, weil er in der Zellstruktur des Lebensmittels steckt.

Mehr zu den Zuckerarten findest du auf unserer Seite Zucker.

Fruktose aus Obst vs. Fruktose aus Getränken

Fruktose ist chemisch dieselbe, egal ob sie aus einem Apfel oder einer Limonade kommt. Entscheidend ist aber die Verpackung: Ein Apfel liefert Zucker zusammen mit Wasser, Ballaststoffen und Volumen. Aus einem Glas Saft oder Limo trinkst du die gleiche oder eine größere Menge Zucker in kurzer Zeit.

Eine Meta-Analyse von Choo und Kolleg:innen im BMJ (2018) hat 155 Studienvergleiche mit rund 5.100 Teilnehmenden ausgewertet. Sie fragte, wie sich fruktosehaltige Zucker aus verschiedenen Quellen auf den Blutzucker auswirken. Die Ergebnisse:

Die Autor:innen bewerten die Sicherheit der Evidenz als niedrig bis moderat. Das Muster ist dennoch auffällig: Probleme zeigten sich vor allem dann, wenn Zucker aus Getränken zusätzlich zur normalen Ernährung aufgenommen wird.

Was Studien zum Obstverzehr zeigen

Eine große Meta-Analyse stammt von Aune und Kolleg:innen (International Journal of Epidemiology, 2017). Pro 200 Gramm Obst und Gemüse mehr am Tag war das Risiko geringer, für Obst allein zeigten sich ähnliche Zusammenhänge:

Ergebnis Relatives Risiko pro 200 g/Tag
Herz-Kreislauf-Erkrankungen 0,92 (8 % geringer)
Krebs gesamt 0,97 (3 % geringer)
Sterblichkeit gesamt 0,90 (10 % geringer)

Die Risikosenkung setzte sich bis etwa 800 Gramm pro Tag fort, bei Krebs flachte sie ab 600 Gramm ab. Das sind Beobachtungsdaten. Sie zeigen Zusammenhänge, keinen sicheren Beweis für Ursache und Wirkung.

Zum Diabetesrisiko gibt es eine aufschlussreiche Analyse von Muraki und Kolleg:innen (BMJ, 2013) mit rund 187.000 Teilnehmenden aus drei US-Kohorten. Ganzes Obst war mit einem leicht geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden. Besonders deutlich war das bei Heidelbeeren, Trauben/Rosinen und Äpfeln/Birnen. Fruchtsaft dagegen war mit einem höheren Risiko verbunden: pro 3 Portionen Saft pro Woche etwa 8 % mehr.

Wenn du Diabetes hast, stimm deine Obstmenge und -verteilung am besten mit deiner Ärztin oder deinem Diabetesteam ab.

Was die DGE empfiehlt: „5 am Tag“

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag, am besten saisonal. Eine Portion passt laut DGE etwa in eine Hand, zum Beispiel ein kleiner Apfel, eine Paprika oder zwei Handvoll Salat. Die WHO nennt als Richtwert mindestens 400 Gramm Obst und Gemüse pro Tag für alle ab 10 Jahren.

Wer auf Kohlenhydrate achtet, kann bei Obst gezielt wählen. Beeren, Zitrusfrüchte oder Äpfel liefern pro Portion meist weniger Zucker als Trockenobst oder sehr reife Bananen. Eine Übersicht findest du in unserer Liste Obst mit wenig Zucker, einen direkten Vergleich unter Banane vs. Apfel.

Säfte und Smoothies

Hier liegt der eigentliche Knackpunkt. Laut WHO enthalten die meisten Fruchtsäfte reichlich freie Zucker, auch wenn kein Zucker zugesetzt ist. Die WHO rät deshalb, die freien Zucker aus Saft zu begrenzen. Die DGE schreibt, du kannst zweimal pro Woche zusätzlich ein Glas Saft trinken oder den Saft mit Wasser gemischt auf mehrere Portionen aufteilen.

Smoothies werden in der WHO-Definition nicht eigens genannt. Sie enthalten oft das ganze pürierte Obst, werden aber wie ein Getränk schnell getrunken und enthalten häufig mehrere Früchte pro Flasche. Behandle sie deshalb eher wie Saft als wie ein Stück Obst. Wie viel Zucker in gängigen Getränken steckt, zeigt unsere Übersicht Zucker in Getränken.

Fazit

Ganzes Obst ist kein Zuckerproblem: Die WHO nimmt Zucker aus frischem Obst ausdrücklich von ihrer Zuckerempfehlung aus. Beobachtungsstudien verbinden mehr Obst und Gemüse mit weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer geringeren Sterblichkeit. Kritischer sind Säfte, Smoothies und gesüßte Getränke, weil ihr Zucker als freier Zucker zählt und schnell zusätzlich getrunken wird. Iss Obst also lieber, als es zu trinken.

Was Fachleute in TV-Beiträgen sagen

Aussagen sinngemäß aus den Untertiteln der Beiträge zusammengefasst. Ergebnisse einzelner Testpersonen sind nicht übertragbar.

Häufige Fragen

Zählt der Zucker aus frischem Obst zu den freien Zuckern?

Nein. Die WHO-Zuckerempfehlung bezieht sich ausdrücklich nicht auf Zucker in frischem Obst und Gemüse. Zucker in Fruchtsäften und Saftkonzentraten zählt dagegen zu den freien Zuckern.

Wie viel Obst ist laut DGE sinnvoll?

Die DGE empfiehlt mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Eine Portion passt etwa in eine Hand, zum Beispiel ein kleiner Apfel.

Ist Fruchtsaft genauso gut wie ganzes Obst?

Nein. Saft enthält laut WHO viele freie Zucker, auch ohne Zuckerzusatz. In einer großen Kohortenanalyse war Saft mit einem leicht höheren Diabetesrisiko verbunden, ganzes Obst mit einem etwas niedrigeren.

Quellen

  1. WHO (2015): WHO calls on countries to reduce sugars intake among adults and children (Guideline: Sugars intake for adults and children)
  2. WHO: Healthy diet – Fact sheet
  3. DGE: Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen
  4. DGE: Gemüse und Obst (Leichte Sprache)
  5. Aune D et al. (2017): Fruit and vegetable intake and the risk of cardiovascular disease, total cancer and all-cause mortality. Int J Epidemiol 46(3):1029–1056. DOI 10.1093/ije/dyw319
  6. Muraki I et al. (2013): Fruit consumption and risk of type 2 diabetes: results from three prospective longitudinal cohort studies. BMJ 347:f5001
  7. Choo VL et al. (2018): Food sources of fructose-containing sugars and glycaemic control. BMJ 363:k4644

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen

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