Schwangerschaftsdiabetes: Ernährungsplan & Werte
Bei Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) reicht meist eine Ernährungsumstellung: Laut gesundheitsinformation.de ist etwa jede 20. Schwangere betroffen, und nur ein Teil braucht Insulin. Die S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Fachgesellschaft für Gynäkologie empfiehlt keine kohlenhydratfreie Diät, sondern 40 bis 50 Prozent der Energie aus Kohlenhydraten, mindestens 175 g am Tag, klug auf den Tag verteilt.
Dieser Ratgeber fasst die Empfehlungen zusammen. Er ersetzt nicht die Diabetes-Schulung und Ernährungsberatung, die zur Behandlung gehören. Die Leitlinie stammt von 2018 und wird laut AWMF derzeit überarbeitet.
Zuckertest in der Schwangerschaft
Den Test bietet die Frauenarztpraxis zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche an; die gesetzliche Krankenkasse zahlt ihn. Er läuft in zwei Stufen:
| Schritt | Ablauf | auffällig ab |
|---|---|---|
| Vortest | 50 g Zucker trinken, nicht nüchtern, Blut nach 1 Stunde | 135 mg/dl |
| Belastungstest (oGTT) | nüchtern, 75 g Zucker, Blut nach 0, 1 und 2 Stunden | nüchtern 92, nach 1 h 180, nach 2 h 153 mg/dl (ein Wert genügt) |
Frauen mit Risikofaktoren wie einem BMI ab 30, Diabetes bei Eltern oder Geschwistern oder einem früheren Gestationsdiabetes werden schon vor der 24. Woche getestet. Ein Nüchternwert ab 126 mg/dl spricht für einen bereits bestehenden Diabetes.
Ernährungsplan bei Schwangerschaftsdiabetes
Die Leitlinie empfiehlt für den Schwangerschaftsdiabetes-Ernährungsplan diese Aufteilung der Energie:
| Nährstoff | Anteil an der Energie |
|---|---|
| Kohlenhydrate | 40–50 %, mindestens 175 g pro Tag |
| Eiweiß | 20 % |
| Fett | 30–35 % |
Kohlenhydrate auf 40 bis 45 Prozent zu begrenzen, senkt laut Leitlinie den Blutzucker nach dem Essen. Weniger als 40 Prozent oder 175 g sollten es nicht sein.
Mahlzeiten verteilen: drei mäßige Hauptmahlzeiten und zwei bis drei kleine Zwischenmahlzeiten, darunter eine Spätmahlzeit mit etwa 1 KE (rund 10 bis 12 g Kohlenhydrate), damit sich über Nacht keine Ketonkörper bilden. Das Frühstück sollte weniger Kohlenhydrate enthalten als Mittag- und Abendessen, weil der Blutzucker morgens am empfindlichsten reagiert.
Welche Kohlenhydrate: bevorzugt ballaststoffreich und mit niedrigem glykämischem Index, etwa Haferflocken, Vollkornbrot, Linsen und Kichererbsen. Was der glykämische Index bedeutet, erklärt der Ratgeber Glykämischer Index und Last. Wie viele Gramm Kohlenhydrate eine Portion hat, steht bei jedem Lebensmittel im Portal.
Süßstoffe wie Aspartam sind laut Leitlinie im Rahmen der akzeptablen Tagesmenge erlaubt. Mehr dazu unter Aspartam.
Nährstoffe im Blick behalten: Die Leitlinie nennt Folsäure, B-Vitamine, Calcium, Vitamin D, Magnesium, Eisen und Jod. Was davon als Präparat sinnvoll ist, steht im Ratgeber Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft. Welche Lebensmittel wegen Listerien und Toxoplasmen tabu sind, zeigt die Liste Was darf man in der Schwangerschaft nicht essen?
Schwangerschaftsdiabetes: Werte und Kontrolle
Die Blutzucker-Zielwerte der Leitlinie (Messgerät plasmakalibriert):
| Zeitpunkt | Zielwert |
|---|---|
| nüchtern und vor dem Essen | 65–95 mg/dl |
| 1 Stunde nach dem Essen | unter 140 mg/dl |
| 2 Stunden nach dem Essen | unter 120 mg/dl |
Gemessen wird entweder eine oder zwei Stunden nach dem Essen, nicht beides. In den ersten ein bis zwei Wochen empfiehlt die Leitlinie täglich vier Messungen (nüchtern und nach den drei Hauptmahlzeiten), danach seltener, wenn alles im Ziel liegt. Einzelne Ausreißer sind laut Leitlinie eine Orientierung und schaden dem Kind nicht. Liegen trotz Ernährung und Bewegung in einer Woche mindestens die Hälfte der Werte zu hoch, wird Insulin erwogen; das betrifft etwa 20 bis 30 Prozent der Frauen.
Bewegung und Gewicht
Die Leitlinie empfiehlt mindestens dreimal pro Woche 30 Minuten zügiges Gehen oder tägliches Training mit dem Gymnastikband. Schon kurze Bewegung in der ersten Stunde nach den Hauptmahlzeiten senkt den Blutzucker.
Für die Gewichtszunahme gelten dieselben Spannen nach BMI vor der Schwangerschaft wie ohne Diabetes; die Leitlinie empfiehlt, sich wöchentlich morgens nüchtern zu wiegen. Ein Gewichtsverlust von 1 bis 2 kg in den ersten Wochen nach der Ernährungsumstellung ist laut Leitlinie harmlos. Deine Spanne berechnet der Rechner Gewichtszunahme in der Schwangerschaft.
Nach der Geburt
Insulin wird nach der Geburt abgesetzt. Sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt empfiehlt die Leitlinie einen erneuten 75-g-Zuckerbelastungstest, unabhängig vom Stillen. Stillen wird ausdrücklich empfohlen, mindestens vier bis sechs Monate ausschließlich; es senkt offenbar das spätere Risiko für Typ-2-Diabetes. Laut gesundheitsinformation.de haben Frauen nach einem Gestationsdiabetes ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes. Eine Lebensstiländerung kann das Fortschreiten laut Leitlinie über drei Jahre um etwa die Hälfte senken. Wie die Ernährung dann aussieht, beschreibt der Ratgeber Ernährung bei Diabetes Typ 2, zum Abnehmen nach der Geburt Abnehmen in der Stillzeit.
Häufige Fragen
Was darf man bei Schwangerschaftsdiabetes essen?
Fast alles, aber in der richtigen Verteilung: Laut S3-Leitlinie 40 bis 50 Prozent der Energie aus Kohlenhydraten (mindestens 175 g pro Tag), bevorzugt ballaststoffreich und mit niedrigem glykämischem Index, verteilt auf drei mäßige Hauptmahlzeiten und zwei bis drei kleine Zwischenmahlzeiten inklusive Spätmahlzeit. Zucker und Süßigkeiten treiben den Blutzucker am schnellsten hoch.
Welche Kohlenhydrate bei Schwangerschaftsdiabetes?
Ballaststoffreiche Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischem Index, etwa Vollkornbrot, Haferflocken, Hülsenfrüchte und Gemüse. Ganz streichen solltest du Kohlenhydrate nicht: Die Leitlinie nennt mindestens 175 g pro Tag beziehungsweise 40 Prozent der Energie. Zum Frühstück weniger Kohlenhydrate als mittags und abends.
Welche Blutzuckerwerte sind bei Schwangerschaftsdiabetes normal?
Die Zielwerte der S3-Leitlinie: nüchtern und vor dem Essen 65 bis 95 mg/dl, eine Stunde nach dem Essen unter 140 mg/dl oder zwei Stunden danach unter 120 mg/dl. Einzelne Werte darüber dienen laut Leitlinie der Orientierung und schaden dem Kind nicht. Sind trotz Ernährung und Bewegung in einer Woche mindestens die Hälfte der Werte zu hoch, wird Insulin erwogen.
Wann und wie läuft der Zuckertest in der Schwangerschaft?
Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche, die Krankenkasse zahlt ihn. Zuerst ein Vortest mit 50 g Zucker ohne Nüchternheit: Liegt der Wert nach einer Stunde bei 135 mg/dl oder mehr, folgt der 75-g-Belastungstest nüchtern. Gestationsdiabetes liegt vor, wenn nüchtern 92, nach einer Stunde 180 oder nach zwei Stunden 153 mg/dl erreicht oder überschritten werden.
Muss ich bei Schwangerschaftsdiabetes Insulin spritzen?
Meist nicht: Laut gesundheitsinformation.de reicht in der Regel die Ernährungsumstellung, oft zusammen mit mehr Bewegung. Laut Leitlinie brauchen etwa 20 bis 30 Prozent der Frauen mit Gestationsdiabetes Insulin, meist nur bis zur Geburt.
Darf man bei Schwangerschaftsdiabetes Süßstoff verwenden?
Ja. Energiefreie Süßstoffe wie Aspartam dürfen laut S3-Leitlinie im Rahmen der akzeptablen täglichen Aufnahmemenge verwendet werden.
Wie geht es nach der Geburt weiter?
Insulin wird nach der Geburt abgesetzt. Sechs bis zwölf Wochen später empfiehlt die Leitlinie einen erneuten Zuckerbelastungstest, egal ob du stillst. Stillen wird ausdrücklich empfohlen; es senkt offenbar das spätere Risiko für Typ-2-Diabetes. Frauen nach Gestationsdiabetes haben ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes und sollten regelmäßig Nüchternzucker und HbA1c prüfen lassen.
Quellen
- DDG/DGGG: S3-Leitlinie Gestationsdiabetes mellitus – Diagnostik, Therapie und Nachsorge, Praxisempfehlung (2. Auflage 03/2018; laut AWMF in Überarbeitung)
- AWMF 057-008: Dokumentationsbogen Gestationsdiabetes (Grenzwerte Vortest und oGTT)
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Schwangerschaftsdiabetes (aktualisiert 27.03.2024)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen