Histaminintoleranz: Symptome, Diagnose & Ernährung
Bei einer Histaminintoleranz sollen schon übliche Mengen Histamin aus der Nahrung Beschwerden auslösen, etwa Hautrötung, Juckreiz, Übelkeit oder Durchfall. Das Krankheitsbild ist aber schwer zu fassen: Laut der Leitlinie der Allergologie-Fachgesellschaften gibt es keinen verlässlichen Labortest. Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden zudem häufiger vermutet, als sie sich nachweisen lassen. Die Leitlinie rät von pauschalen Verbotslisten ab und empfiehlt eine Ernährungsumstellung in drei Phasen, möglichst mit Ernährungsfachkraft.
Was ist Histamin?
Histamin ist ein Botenstoff, den der Körper selbst bildet, unter anderem bei allergischen Reaktionen. Er kommt aber auch in Lebensmitteln vor. Dort entsteht er durch Bakterien bei Reifung, Gärung und Lagerung. Im Darm baut vor allem das Enzym Diaminoxidase (DAO) aufgenommenes Histamin ab. Die Theorie: Ist dieser Abbau gestört, kommt es nach histaminreichem Essen zu Beschwerden.
Die Empfindlichkeit kann laut Leitlinie durch Alkohol, Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Darmerkrankungen, Hormonschwankungen vor der Periode und Stress zunehmen.
Symptome
Beschrieben werden laut Leitlinie:
- Haut: Hautrötung (Flush), Juckreiz, Rötungen
- Verdauung: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen
- Seltener: Atemwegs- und Kreislaufbeschwerden
Die Beschwerden treten Minuten bis etwa vier Stunden nach dem Essen auf. Sie sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben, etwa Nesselsucht, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption, Zöliakie oder eine echte Nahrungsmittelallergie. Diese sollten zuerst ärztlich ausgeschlossen werden.
Diagnose: was Tests aussagen
| Test | Einschätzung der Leitlinie |
|---|---|
| DAO-Aktivität im Blut | nicht aussagekräftig |
| Histamin im Stuhl | fraglich, weil Darmbakterien selbst Histamin bilden |
| Histamin im Blut, Methylhistamin im Urin | umstritten |
| Haut-Pricktest mit Histamin | sagt nichts über aufgenommenes Histamin |
| Provokationstest unter ärztlicher Aufsicht | am besten geeignet, aber kein Routineverfahren |
Selbstzahler-Tests auf DAO bringen also wenig Klarheit. Aussagekräftiger ist ein Ernährungs- und Symptomtagebuch über die drei Phasen der Ernährungsumstellung.
Ernährung in drei Phasen
Die Leitlinie empfiehlt:
- Karenzphase (10 bis 14 Tage): gemüsebetonte Mischkost mit wenig Histamin, frische statt lange gereifte oder gelagerte Lebensmittel
- Testphase (bis zu 6 Wochen): verdächtige Lebensmittel gezielt wieder einführen und die Reaktion protokollieren
- Dauerernährung: abwechslungsreich und bedarfsdeckend, nach der persönlichen Verträglichkeit
Wichtig: Strenge, dauerhafte Diäten lehnt die Leitlinie ab. Pauschale Verbote von Lebensmitteln ohne Histamin, etwa Hefe, oder Listen sogenannter Histaminliberatoren sind laut Leitlinie wissenschaftlich nicht belegt.
Welche Lebensmittel enthalten Histamin?
Histamin steckt vor allem dort, wo Bakterien lange arbeiten: in lange gereiftem Käse, Fischkonserven und geräuchertem Fisch sowie in Fisch, der nicht mehr ganz frisch ist. Gerade Thunfisch und Makrele können bei falscher Lagerung sehr viel Histamin bilden.
Wie viel Histamin ein bestimmtes Lebensmittel enthält, lässt sich aber kaum vorhersagen. Laut Leitlinie schwankten die Werte bei Emmentaler zwischen unter 0,1 und 2.000 mg pro Kilogramm, bei geräucherter Makrele zwischen unter 0,1 und 1.788 mg. Eine feste Einteilung nach Histamingehalt hält die Leitlinie deshalb nicht für sinnvoll. Aus diesem Grund zeigen wir auf unseren Lebensmittel-Seiten keine Histaminwerte. Frische ist der wichtigste Hebel: Fisch und Fleisch frisch kaufen, kühl lagern und bald verzehren, Reste schnell kühlen.
DAO-Kapseln und Medikamente
Für DAO-Kapseln aus der Apotheke ist die Wirkung laut Leitlinie nicht belegt. Die beiden Studien dazu wurden vom Hersteller unterstützt, eine verfehlte ihr Ziel, die andere hatte keine Vergleichsgruppe. Antihistaminika können ärztlich als zeitlich begrenzter Versuch erwogen werden. Einige Medikamente stehen im Verdacht, den Histaminabbau zu bremsen, die Datenlage ist aber widersprüchlich. Setze Medikamente nie eigenmächtig ab.
Bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz ist der erste Schritt eine ärztliche Abklärung, am besten allergologisch. Eine Ernährungsfachkraft hilft, die drei Phasen ohne Mangelernährung umzusetzen. Mehr zu Laktose, Gluten und Fruktose findest du unter Unverträglichkeiten.
Häufige Fragen
Welche Symptome hat eine Histaminintoleranz?
Laut Leitlinie werden unter anderem Hautrötung (Flush), Juckreiz, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen beschrieben, seltener Atemwegs- oder Kreislaufbeschwerden. Sie treten Minuten bis etwa vier Stunden nach dem Essen auf und sind unspezifisch.
Kann man Histaminintoleranz im Blut testen?
Nicht verlässlich. Laut der Leitlinie der Allergologie-Fachgesellschaften gibt es keine Laborwerte, die eine Histaminunverträglichkeit sicher bestätigen oder ausschließen. Die Bestimmung des Enzyms DAO im Blut halten die Fachgesellschaften für nicht aussagekräftig, ebenso Histamin im Stuhl.
Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin?
Histamin entsteht vor allem bei Reifung, Gärung und Lagerung, etwa in lange gereiftem Käse, Fischkonserven oder nicht ganz frischem Fisch. Die Gehalte schwanken aber extrem: In Emmentaler fand man laut Leitlinie unter 0,1 bis 2.000 mg pro Kilogramm. Feste Listen hält die Leitlinie deshalb nicht für sinnvoll.
Helfen DAO-Kapseln?
Die Wirksamkeit ist laut Leitlinie nicht belegt. Die beiden verfügbaren Studien waren methodisch schwach und wurden vom Hersteller der Kapseln unterstützt.
Wie lange dauert eine histaminarme Diät?
Die Leitlinie empfiehlt eine Karenzphase von 10 bis 14 Tagen, dann eine Testphase von bis zu sechs Wochen, in der Lebensmittel gezielt wieder eingeführt werden. Danach folgt eine Dauerernährung nach persönlicher Verträglichkeit – keine lebenslange strikte Diät.
Quellen
- AWMF-Leitlinie 061-030 (S1): Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin (DGAKI, GPA, AeDA, SGAI, ÖGAI; Stand 07/2021)
- Apotheken Umschau: Histaminintoleranz – Ursachen, Symptome, Diagnose
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen