Unverträglichkeitstest: Was IgG-Tests & Co. taugen

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Viele Unverträglichkeitstests aus Internet und Apotheke versprechen, auf einen Schlag Dutzende „unverträgliche“ Lebensmittel zu finden. Die meisten messen IgG-Antikörper im Blut. Diese Tests sind laut den deutschsprachigen Allergiegesellschaften zur Diagnose ungeeignet und strikt abzulehnen (Ärzte Zeitung). Sinnvolle Tests gibt es trotzdem – aber gezielt für einzelne Fragen und mit ärztlicher Einordnung.

Tests, die nichts aussagen

Test Warum er nicht hilft
IgG- oder IgG4-Bluttest IgG-Antikörper sind eine normale Reaktion auf regelmäßig gegessene Lebensmittel, kein Krankheitszeichen
Haaranalyse im Haar wird laut PTAheute keine Information über Verträglichkeit gespeichert
DAO-Bluttest (Histamin) laut Leitlinie nicht aussagekräftig
Histamin im Stuhl fraglich, weil Darmbakterien selbst Histamin bilden

Laut PTAheute sind die Messverfahren technisch zwar seriös, die Deutung der Werte beruht aber auf unwissenschaftlichen Annahmen. Die Tests kosten je nach Umfang teils deutlich über 100 Euro. Das größere Problem: Wer nach einem solchen Ergebnis auf viele Lebensmittel verzichtet, riskiert Nährstoffmangel. Und hinter wiederkehrenden Beschwerden kann eine ernsthafte Ursache stecken, die übersehen wird.

Tests, die helfen

Verdacht Test Mehr dazu
Laktoseintoleranz Wasserstoff-Atemtest beim Arzt, mit typischen Beschwerden Laktoseintoleranz
Fruktosemalabsorption Wasserstoff-Atemtest mit Fruktose; vorher erbliche Fruktoseintoleranz ausschließen Fruktose und Sorbit
Zöliakie Antikörper (tTG-IgA) im Blut, dann Gewebeprobe; vorher glutenhaltig weiteressen Zöliakie
Lebensmittelallergie Gespräch, Haut- oder IgE-Bluttest, bei Bedarf Provokationstest Allergie und Kreuzallergie
Histaminintoleranz kein verlässlicher Labortest; Ernährungsumstellung in Phasen mit Tagebuch Histaminintoleranz

Wichtig bei Allergietests: Ein positiver IgE-Wert zeigt nur eine Sensibilisierung. Ob ein Lebensmittel wirklich Beschwerden macht, klärt im Zweifel ein Provokationstest unter Aufsicht.

Das Symptomtagebuch

Das einfachste Werkzeug kostet nichts: Notiere zwei bis vier Wochen lang, was du wann isst und trinkst, welche Beschwerden wann auftreten und was sonst los war, etwa Stress, Medikamente, Periode. Mit diesem Tagebuch kann die Ärztin oder der Arzt viel gezielter testen. Bei einer Unverträglichkeit folgt meist eine Ernährungsumstellung in Phasen: weglassen, gezielt wieder einführen, dauerhaft nach eigener Verträglichkeit essen.

So gehst du vor

  1. Beschwerden ärztlich abklären lassen, bei Verdacht auf Allergie allergologisch
  2. Symptomtagebuch führen
  3. Gezielte Tests für den konkreten Verdacht
  4. Ernährung mit Ernährungsfachkraft anpassen, statt auf eigene Faust viele Lebensmittel zu streichen

Mehr zu Laktose, Gluten, Fruktose und Allergenen findest du unter Unverträglichkeiten.

Häufige Fragen

Sind IgG-Tests auf Unverträglichkeiten sinnvoll?

Nein. Die deutschsprachigen Allergiegesellschaften halten IgG- und IgG4-Tests zur Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten für ungeeignet und lehnen sie strikt ab. IgG-Antikörper zeigen nur, dass ein Lebensmittel regelmäßig gegessen wird – eine normale Reaktion des Immunsystems.

Welcher Test zeigt eine Laktoseintoleranz?

Standard ist in Deutschland der Wasserstoff-Atemtest beim Arzt. Für eine sichere Diagnose müssen während des Tests auch typische Beschwerden auftreten.

Was kostet ein Unverträglichkeitstest?

Selbsttests auf IgG-Antikörper oder Haaranalysen kosten je nach Umfang teils deutlich über 100 Euro, sagen laut Fachleuten aber nichts über Unverträglichkeiten aus.

Kann man eine Histaminintoleranz testen?

Nicht zuverlässig. Laut Leitlinie gibt es keine Laborwerte, die eine Histaminunverträglichkeit sicher bestätigen oder ausschließen; DAO-Bluttests sind nicht aussagekräftig. Hilfreicher ist eine Ernährungsumstellung in Phasen mit Symptomtagebuch.

Quellen

  1. Ärzte Zeitung (18.06.2009): Serum-IgG-Test taugt nicht zur Diagnostik von Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Leitlinie der Allergiegesellschaften, Allergo J 18:267)
  2. PTAheute (20.02.2026): Selbsttests – was vertrage ich überhaupt?
  3. gesund.bund.de (BMG mit IQWiG): Laktoseintoleranz (Stand 23.02.2026)
  4. AWMF-Leitlinie 061-030 (S1): Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen

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