Milcheiweißallergie: Symptome, Baby und Tabelle

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Was ist eine Milcheiweißallergie?

Bei einer Milcheiweißallergie, auch Kuhmilchallergie genannt, bildet das Immunsystem Antikörper gegen Eiweiße der Kuhmilch. Hauptauslöser sind Kasein sowie die Molkenproteine Beta-Lactoglobulin und Alpha-Lactalbumin (ECARF). Kasein bleibt beim Erhitzen stabil, die Molkenproteine nicht. Deshalb vertragen manche Betroffene gebackene Milchprodukte besser.

Die Allergie betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder. Laut ECARF sind in Industrieländern mehr als zwei Prozent der Kinder betroffen. Bei Erwachsenen ist sie selten (DAAB).

Abgrenzung: Milcheiweißallergie oder Laktoseintoleranz?

Beides wird oft verwechselt, ist aber grundverschieden:

Merkmal Milcheiweißallergie Laktoseintoleranz
Ursache Immunreaktion auf Milcheiweiß Mangel am Enzym Laktase
Auslöser Kasein, Molkenproteine Milchzucker (Laktose)
Schwere Reaktionen möglich, bis Anaphylaxie nein
Laktosefreie Produkte helfen nicht helfen

Wer nach Milch, Sahne oder Eis Blähungen und Durchfall bekommt, kleine Mengen Käse oder Joghurt aber verträgt, sollte laut DAAB zuerst eine Laktoseintoleranz abklären lassen. Mehr dazu im Ratgeber Laktoseintoleranz.

Milcheiweißallergie: Symptome

Die Reaktion setzt innerhalb von Minuten oder verzögert bis zu 48 Stunden ein (ECARF). Häufig sind:

Warnzeichen einer Anaphylaxie: plötzliche Heiserkeit, pfeifende Atmung, Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Beschwerden an zwei Organsystemen zugleich (DAAB-Notfallplan). Dann sofort 112 wählen.

Milcheiweißallergie beim Baby

Bei Babys zeigt sich die Allergie oft an Haut und Verdauung, manchmal auch an verzögertem Wachstum (ECARF). Gestillte Babys können über die Muttermilch reagieren, wenn die Mutter Milchprodukte isst. Eine Auslassdiät der Mutter sollte nur nach ärztlicher Rücksprache und mit Ernährungsberatung erfolgen, um einen Calciummangel zu vermeiden (Apotheken Umschau). Nicht gestillte Säuglinge erhalten eine Spezialnahrung auf ärztliche Verordnung (DAAB, ECARF).

Zur Vorbeugung gilt laut Netzwerk Gesund ins Leben: Potenziell allergieauslösende Lebensmittel nicht vorsorglich weglassen oder später einführen. Die Beikost beginnt frühestens mit Beginn des 5. und spätestens mit Beginn des 7. Monats. Rezeptideen unter Babybrei.

Die gute Nachricht: Bis zum Schulalter sind laut ECARF etwa 80 Prozent der Kinder beschwerdefrei.

Diagnose

Erste Anlaufstelle ist die Kinder- oder Hausarztpraxis, für Erwachsene eine allergologische Praxis. Nach dem Gespräch folgen Pricktest oder Bluttest auf spezifisches IgE. Da ein positiver Test nur eine Sensibilisierung zeigt, wird die Diagnose bei Unklarheit mit einer oralen Provokation unter ärztlicher Aufsicht gesichert (DAAB). Heimtests aus dem Internet können laut Netzwerk Gesund ins Leben falsche Ergebnisse liefern. Siehe auch Unverträglichkeitstest.

Lebensmittel-Tabelle: Wo steckt Milcheiweiß?

Kategorie Milch oder Milchbestandteile
Milchprodukte Milch, Joghurt, Quark, Sahne, Butter, Käse, Kefir
Zutatenbegriffe Milchpulver, Molke, Molkenpulver, Kasein, Caseinat, Milcheiweiß, Laktose, Butterreinfett
Oft versteckt Wurst, Fertiggerichte, Backwaren, Schokolade, Soßen, Kartoffelpüree
Andere Tiermilch Ziegen-, Schafsmilch (Kreuzreaktion häufig)

Laut Anhang II der LMIV muss Milch einschließlich Laktose im Zutatenverzeichnis hervorgehoben werden. Ausnahmen sind nur Molke für alkoholische Destillate und Lactit. Seit Dezember 2014 gilt die Allergeninformation auch für lose Ware (DAAB). Alle Pflichtallergene unter Allergene.

Kreuzallergien

Viele Betroffene reagieren auch auf Ziegen- und Schafsmilch, da deren Eiweiße der Kuhmilch ähneln (ECARF). Mehr zu Kreuzreaktionen im Ratgeber Lebensmittelallergie und Kreuzallergie.

Alltag mit Milcheiweißallergie

Beim Einkauf lohnt der Blick auf jedes Zutatenverzeichnis, denn Rezepturen ändern sich. Auch Produkte mit dem Hinweis „laktosefrei“ enthalten Milcheiweiß. Beim Bäcker, an der Fleischtheke oder im Restaurant dürfen Allergeninformationen mündlich gegeben werden, wenn eine schriftliche Dokumentation vorliegt (Verbraucherzentrale NRW). Fragen Sie gezielt nach Butter, Sahne oder Käse in Soßen und Teigen. Für die Kita füllt die Kinderarztpraxis ein Formular aus, das laut Netzwerk Gesund ins Leben in der Regel jährlich erneuert werden sollte, weil viele Kinder die Allergie bis zum Schulalter verlieren. Schwere Allergien lassen sich zudem im Notfalldatensatz der elektronischen Gesundheitskarte speichern (gesund.bund.de).

Alternativen und Ersatz

Ab dem Kleinkindalter können Pflanzendrinks wie Hafermilch oder Sojadrink Milch im Alltag ersetzen. Sojadrink setzt voraus, dass keine Sojaallergie besteht. Wichtig ist Calcium: Der DAAB empfiehlt calciumreiches Mineralwasser oder calciumangereicherte Drinks. Für Säuglinge sind Pflanzendrinks kein Ersatz (ECARF). Eine Ernährungsberatung hilft, Nährstofflücken zu vermeiden.

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Ernährungsumstellungen bei Babys bitte immer mit der Kinderarztpraxis absprechen.

Weitere Allergien

Nussallergie, Erdnussallergie, Eiallergie, Fischallergie, Sojaallergie – und alle 14 Hauptallergene mit Beispielen, versteckten Quellen und PDF zum Ausdrucken in der Allergene-Übersicht.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Milcheiweißallergie und Laktoseintoleranz?

Die Allergie ist eine Immunreaktion auf Milcheiweiß und kann schwer verlaufen. Die Laktoseintoleranz ist ein Enzymmangel bei der Verdauung von Milchzucker. Laktosefreie Milch hilft Allergikern nicht, weil das Eiweiß enthalten bleibt.

Welche Symptome zeigt ein Baby mit Milcheiweißallergie?

Möglich sind Hautausschlag, Quaddeln, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder schlechtes Gedeihen. Die Reaktion kann sofort oder bis zu 48 Stunden später auftreten. Die Abklärung gehört in die Kinderarztpraxis.

Wächst sich eine Milcheiweißallergie aus?

Oft ja. Laut ECARF sind bis zum Schulalter etwa 80 Prozent der betroffenen Kinder beschwerdefrei. Ob Milch wieder vertragen wird, prüft die Ärztin oder der Arzt.

Darf ich bei Milcheiweißallergie Ziegenmilch trinken?

Meist nicht. Die Eiweiße von Ziegen- und Schafsmilch ähneln denen der Kuhmilch, viele Betroffene reagieren auch darauf.

Welche Milchalternativen eignen sich für Säuglinge?

Für Säuglinge kommt nur eine ärztlich verordnete Spezialnahrung wie extensiv hydrolysierte oder Aminosäure-Nahrung infrage. Hafer-, Mandel- oder Reisdrinks sind kein Ersatz für Säuglingsmilch.

Quellen

  1. ECARF – Kuhmilchallergie
  2. DAAB – Kuhmilch als Allergieauslöser
  3. DAAB – Diagnose einer Nahrungsmittelallergie
  4. DAAB – Anaphylaxie-Notfallplan (PDF)
  5. Apotheken Umschau – Verträgt mein Baby keine Muttermilch?
  6. Netzwerk Gesund ins Leben – Allergien und Unverträglichkeiten
  7. Netzwerk Gesund ins Leben – Reif für die Beikost
  8. Verbraucherzentrale NRW – Kennzeichnung von Allergenen und Zusatzstoffen
  9. gesund.bund.de – Nahrungsmittelallergie
  10. EUR-Lex – Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen

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