Eiallergie: Symptome, Diagnose und Ei-Ersatz

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Was ist eine Eiallergie?

Bei einer Eiallergie bildet das Immunsystem IgE-Antikörper gegen Eiweiße des Hühnereis. Die wichtigsten Allergene sitzen im Eiklar, das Eigelb löst seltener Reaktionen aus (ECARF). Zwei Eiklar-Eiweiße sind besonders wichtig:

Allergen Eigenschaft Folge
Ovomukoid hitze- und säurestabil rohes und gekochtes Ei meist unverträglich
Ovalbumin zerfällt bei hoher Hitze gekochtes oder verbackenes Ei wird oft vertragen

Laut ECARF ist eine Eiallergie bei 0,2 Prozent der europäischen Bevölkerung wissenschaftlich nachgewiesen, in Selbstauskünften gaben 2,5 Prozent eine Allergie an. Sie gehört laut DAAB zu den häufigsten Allergien im Säuglingsalter, bei Erwachsenen ist sie selten.

Eine Sonderform ist das Vogel-Ei-Syndrom: Vogelhalter reagieren zunächst auf Federn und Vogelkot und später auch auf Eigelb (ECARF).

Eiallergie: Symptome

Die Beschwerden treten meist kurz nach dem Essen auf:

Warnzeichen einer Anaphylaxie sind plötzliche Heiserkeit, Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Beschwerden an zwei Organsystemen gleichzeitig (DAAB-Notfallplan). Dann sofort den Notruf 112 wählen, die Person nicht allein lassen und ein verordnetes Notfallset nach ärztlicher Anweisung nutzen.

Diagnose

Bei Verdacht ist die Kinder- oder Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle, für die weitere Abklärung eine allergologische Praxis. Dort folgen Gespräch mit Symptomtagebuch, Pricktest, Bluttest auf spezifisches IgE und bei Unklarheit eine orale Provokation unter Aufsicht (DAAB). Die Komponentendiagnostik zeigt, ob eher Ovomukoid oder Ovalbumin beteiligt ist. Ein positiver Test allein ist noch keine Allergie (DAAB). Selbsttests sind ungeeignet, mehr unter Unverträglichkeitstest.

Welche Lebensmittel meiden?

Je nach Diagnose wird rohes, gekochtes oder jedes Ei gemieden. Hühnerei dient in der Lebensmittelindustrie als Binde-, Lockerungs- und Dickungsmittel (DAAB). Häufige Quellen:

Kategorie Beispiele
Backwaren Kuchen, Kekse, Brötchen mit Eistreiche, Waffeln
Teigwaren Eiernudeln, Spätzle, frische Pasta
Desserts Pudding, Cremes, Mousse, Speiseeis, Baiser
Herzhaftes Mayonnaise, Remoulade, Panaden, Frikadellen, Pfannkuchen

Wichtig: „Eiweiß“ in der Nährwerttabelle bedeutet Protein, nicht Hühnerei (DAAB). Laut Anhang II der LMIV müssen Eier und daraus gewonnene Erzeugnisse im Zutatenverzeichnis hervorgehoben werden, ohne Ausnahmen. Das gilt seit Dezember 2014 auch für lose Ware beim Bäcker oder im Restaurant (DAAB). Alle 14 Pflichtallergene unter Allergene.

Einige Impfstoffe werden laut ECARF auf hühnereihaltigem Nährboden hergestellt. Weisen Sie die Impfpraxis deshalb auf die Allergie hin. Ob und wie geimpft wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Kreuzallergien

Ob Eier anderer Vogelarten wie Ente oder Wachtel vertragen werden, ist nicht gesichert, denn ihre Eiweiße können denen des Hühnereis ähneln. Probieren Sie sie nicht ohne ärztliche Abklärung. Beim Vogel-Ei-Syndrom besteht die Kreuzreaktion zwischen Vogelfedern und Eigelb (ECARF). Mehr im Ratgeber Lebensmittelallergie und Kreuzallergie.

Eiallergie bei Kindern und Babys

Die gute Nachricht: Laut ECARF verliert sich die Allergie bei 50 bis 80 Prozent der betroffenen Kinder bis zum Schulalter. Verbackenes Ei in Kuchen oder Keksen wird laut DAAB oft schon nach ein bis zwei Jahren wieder vertragen. Ob und wann Ei wieder eingeführt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Zur Vorbeugung rät das Netzwerk Gesund ins Leben, allergieverdächtige Lebensmittel nicht vorsorglich zu meiden oder später einzuführen. Das BfR empfiehlt, Ei durcherhitzt in die Beikost einzuführen, etwa als hartgekochtes Ei oder verbacken in Gebäck. Rohes oder weiches Ei ist wegen Salmonellen für Babys ungeeignet (Apotheken Umschau). Rezeptideen unter Babybrei.

Alltag mit Eiallergie

Ei steckt oft dort, wo man es nicht erwartet, etwa in glänzenden Brötchen, Panaden oder Schaumdesserts. Beim Bäcker, an der Theke oder im Restaurant dürfen Allergeninformationen mündlich gegeben werden, wenn eine schriftliche Dokumentation vorliegt (Verbraucherzentrale NRW). Fragen Sie gezielt nach Eistreiche, Mayonnaise und hausgemachten Soßen. Für Kita oder Tagespflege füllt die Kinderarztpraxis ein Formular aus. Laut Netzwerk Gesund ins Leben sollte es in der Regel jährlich erneuert werden, weil sich Lebensmittelallergien bei Kindern häufig bis zum Schulalter verlieren. Schwere Allergien lassen sich im Notfalldatensatz der elektronischen Gesundheitskarte speichern (gesund.bund.de).

Alternativen und Ersatz

Beim Backen ersetzen je nach Rezept zerdrückte Banane, Apfelmus, gequollene Leinsamen oder Chiasamen, Speisestärke oder Ei-Ersatzpulver das Ei. Für Rührei-Alternativen eignet sich zerbröselter Tofu, sofern keine Sojaallergie besteht. Mayonnaise lässt sich mit Aquafaba aus Kichererbsen herstellen. Eine Ernährungsfachkraft hilft, ausgewogen zu essen (DAAB).

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Eiallergie wenden Sie sich an Ihre Kinder- oder Hausarztpraxis.

Weitere Allergien

Nussallergie, Erdnussallergie, Milcheiweißallergie, Fischallergie, Sojaallergie – und alle 14 Hauptallergene mit Beispielen, versteckten Quellen und PDF zum Ausdrucken in der Allergene-Übersicht.

Häufige Fragen

Welche Symptome hat eine Eiallergie?

Typisch sind Hautrötung, Quaddeln, Ekzemschübe, Lippenschwellung, Erbrechen oder Bauchschmerzen. Atemnot, Heiserkeit oder Kreislaufprobleme sind Warnzeichen einer Anaphylaxie. Dann sofort 112 wählen.

Verträgt man bei Eiallergie gekochtes Ei?

Manchmal. Das Eiweiß Ovalbumin wird durch Hitze verändert, Ovomukoid dagegen nicht. Wer auf Ovomukoid reagiert, verträgt meist weder rohes noch gekochtes Ei. Was für Sie gilt, klärt die ärztliche Diagnostik.

Ist Eigelb bei Eiallergie unbedenklich?

Nicht sicher. Die wichtigsten Allergene sitzen im Eiklar, das Eigelb löst seltener Allergien aus. Beim Trennen bleiben aber Eiklarreste zurück. Ob Eigelb vertragen wird, klärt die allergologische Praxis.

Wächst sich eine Eiallergie bei Kindern aus?

Häufig ja. Laut ECARF verliert sie sich bei 50 bis 80 Prozent der betroffenen Kinder bis zum Schulalter. Verbackenes Ei wird laut DAAB oft nach ein bis zwei Jahren wieder vertragen.

Was ist ein guter Ei-Ersatz beim Backen?

Je nach Rezept eignen sich zerdrückte Banane, Apfelmus, gequollene Leinsamen, Speisestärke oder ein handelsübliches Ei-Ersatzpulver. Prüfen Sie das Zutatenverzeichnis auf weitere Allergene.

Quellen

  1. ECARF – Hühnereiallergie
  2. DAAB – Hühnerei als Allergieauslöser
  3. DAAB – Diagnose einer Nahrungsmittelallergie
  4. DAAB – Anaphylaxie-Notfallplan (PDF)
  5. BfR – Lebensmittelallergien
  6. Apotheken Umschau – Lebensmittelallergie bei Kindern vorbeugen
  7. Netzwerk Gesund ins Leben – Reif für die Beikost
  8. Netzwerk Gesund ins Leben – Allergien und Unverträglichkeiten
  9. Verbraucherzentrale NRW – Kennzeichnung von Allergenen und Zusatzstoffen
  10. gesund.bund.de – Nahrungsmittelallergie
  11. EUR-Lex – Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen

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