Baby-led Weaning: Was BLW bringt und was dagegen spricht

Redaktion kohlenhydrate.de · · Noch nicht fachlich geprüft

Beim Baby-led Weaning (BLW) isst das Baby von Beginn der Beikost an selbst mit den Händen statt Brei vom Löffel. Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt trotzdem weiterhin Breie: Für BLW fehlen ein durchkalkuliertes Konzept und der Nachweis der Sicherheit, und mit Fingerfood allein ist die Versorgung mit Energie und Nährstoffen nicht immer gesichert. Eine Kombination – Brei plus geeignetes Fingerfood – ist möglich.

Was ist Baby-led Weaning?

Beim Baby led Weaning entscheidet das Kind selbst, was und wie viel es isst. Es bekommt weiche, gut greifbare Stücke vom Familientisch, auf Brei wird im Allgemeinen verzichtet. Ein BLW Baby isst laut D’Auria et al. ab etwa sechs Monaten selbstständig. Woran du erkennst, dass dein Kind bereit ist, steht im Ratgeber Beikost.

Was sagt die Forschung?

Studienlage insgesamt: Eine systematische Übersicht der Italienischen Gesellschaft für Pädiatrie (D’Auria et al. 2018) fand zwölf Studien, darunter nur zwei randomisierte. Beide hatten mögliche Verzerrungen, die Qualität der Belege ist niedrig. Viele Fragen zu BLW sind laut den Autorinnen und Autoren ungeklärt.

Verschlucken: In der neuseeländischen BLISS-Studie (Fangupo et al. 2016) mit 206 Babys verschluckten sich Kinder mit einer angepassten BLW-Variante nicht häufiger als Breikinder. Die Eltern wurden dabei gezielt beraten, wie sie Erstickungsrisiken vermeiden. In beiden Gruppen verschluckten sich aber 35 Prozent der Babys mindestens einmal zwischen dem 6. und 8. Monat, und vielen wurden Lebensmittel mit Erstickungsgefahr angeboten.

Energie und Eisen: die Schwachstellen

Laut Netzwerk Gesund ins Leben haben Lebensmittel, die sich als Fingerfood eignen, meist eine geringe Energiedichte. Eine ausreichende Nährstoffversorgung ist dann nicht immer gegeben, und Muttermilch oder Säuglingsnahrung bleiben bis weit ins zweite Lebenshalbjahr die Hauptnährstoffquelle. Gleichzeitig steigt der Eisenbedarf im zweiten Lebenshalbjahr stark. Wie der Brei das abdeckt, erklärt der Ratgeber Beikost.

Sicherheit beim Fingerfood

Brei und Fingerfood kombinieren

Laut Netzwerk Gesund ins Leben können Babys zusätzlich zum Brei geeignete Lebensmittel mit der Hand essen. So lernt das Kind das selbstständige Essen, und die Versorgung mit Eisen und Energie bleibt über den Brei gesichert. Die Reihenfolge der Breie erklärt der Ratgeber Beikost.

Fazit

Baby-led Weaning ist beliebt, aber nicht gut erforscht: Die Studienqualität ist niedrig, Energie- und Eisenversorgung sind mit Fingerfood allein nicht immer gesichert. Verschlucken war in einer Studie mit guter Elternberatung nicht häufiger als beim Brei. Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt weiterhin Breie – Fingerfood zusätzlich ist möglich, harte Stücke und Nüsse bleiben tabu.

Häufige Fragen

Was ist Baby-led Weaning?

Beim Baby-led Weaning (BLW) isst das Baby ab dem Beikoststart selbstständig mit den Händen Fingerfood vom Familientisch. Auf Brei wird dabei im Allgemeinen verzichtet.

Ist Baby-led Weaning empfehlenswert?

Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt weiterhin, Breie schrittweise einzuführen. Für BLW fehlen laut Netzwerk ein durchkalkuliertes Konzept und der Nachweis der Sicherheit; eine systematische Übersicht von 2018 bewertet die Studienqualität als niedrig.

Verschlucken sich BLW-Babys häufiger?

In einer Studie mit 206 Babys aus Neuseeland verschluckten sich BLW-Babys nicht häufiger als Breikinder, wenn die Eltern zur Vermeidung von Erstickungsgefahren beraten wurden. In beiden Gruppen verschluckten sich aber 35 Prozent mindestens einmal zwischen dem 6. und 8. Monat.

Bekommt ein BLW-Baby genug Eisen?

Das ist eine Sorge: Fingerfood hat meist eine geringe Energiedichte, eine ausreichende Nährstoffversorgung ist laut Netzwerk Gesund ins Leben nicht immer gegeben – gerade weil der Eisenbedarf im zweiten Lebenshalbjahr stark steigt.

Kann man Brei und Fingerfood kombinieren?

Ja. Laut Netzwerk Gesund ins Leben können Babys zusätzlich zum Brei geeignete Lebensmittel mit der Hand essen. Harte Gemüsestücke und Nüsse bleiben wegen der Erstickungsgefahr tabu.

Quellen

  1. Netzwerk Gesund ins Leben: Handlungsempfehlungen Beikost – Abfolge und Auswahl (Stand 19.08.2016)
  2. Fangupo LJ et al. (2016): A Baby-Led Approach to Eating Solids and Risk of Choking. Pediatrics 138(4):e20160772 (Finanzierung im Abstract nicht angegeben)
  3. D'Auria E et al. (2018): Baby-led weaning: what a systematic review of the literature adds on. Ital J Pediatr 44:49
  4. Verbraucherzentrale: Beikost für Ihr Baby – bereit für den Brei?

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Methodik & Quellen

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